Fahrt von Malta nonstop nach Almerimar (Südküste Spaniens)

Donnerstag/Freitag 13.- 14.08.15 Wir verlassen Malta bei starkem Seegang da in der Nacht immer wieder Gewitter mit viel Wind durchgezogen sind. Laut Wetterbericht soll´s aber besser werden, wir halten uns entlang Maltas Küste hoch Richtung Gozo (eine kleine Insel, vor Malta, gehört aber noch zu Malta). Wir sichten Delfine, leider müssen wir gegen den Wind aufkreuzen, fahren die Nacht durch und sind immer noch nicht recht weit gekommen, frühmorgens sichtet Hannes einen vermeintlichen Moosteppich auf uns zu treiben, erst als dieser näherkommt, erkennen wir, daß das treibende etwas eine Schildkröte ist, die am Panzer mit Moos bewachsen ist.

Samstag/Sonntag 15. – 16.08.15 haben immer noch guten Wind, aber immer noch aus der falschen Richtung, wir müssen nach wie vor am Wind aufkreuzen, bis wir uns endlich bis zur SW-Spitze von Sizilien durchgeschlagen haben. Ständig sind Gewitter an der Küste von Sizilien zu beobachten, dementsprechend stark und böig ist auch der Wind, wir müssen ständig auf der Hut sein. Ursprünglich wollten wir einen Ankerplatz an Siziliens Küste anlaufen, aufgrund des Wetters entschließen wir uns weiter zu segeln rauf Richtung Sardinien, lt. Wetterbericht sollte Ost-Wind kommen also genau aus der richtigen Richtung für uns.

Montag/Dienstag 17. – 18.08.15 wir befinden uns unterhalb Sardiniens, nur knapp können wir einem treibenden Holzmetallblock ausweichen, wäre der gegen den Rumpf geknallt hätten wir möglicherweise einen Schaden am Schiff erlitten. Wieder brauen sich Gewitter zusammen, diese ziehen aber in Richtung Algerien knapp an uns vorbei. Der östliche Wind hat sich endlich eingestellt und wir machen gute Fahrt

Mittwoch – Freitag 19.08 – 21.08.15 wir sind nun 260 sm vor Ibiza, wir entscheiden uns Ibiza nicht anzulaufen, sondern weiter Richtung Spaniens Festlandküste zu segeln. Alles läuft soweit gut, wir machen weiterhin gute Fahrt, der Wetterbericht sagt uns, dass der Wind am Samstag drehen soll auf West, aber schwachwindig, deshalb bleiben wir auf Kurs, was sich später als ein Fehler herausstellen sollte.

Samstag – Montag 22. – 24.08.15 in der Nacht auf Samstag beginnt der Wind tatsächlich zu drehen, doch auch die Stärke nimmt leider stark zu, wir haben um 02.00 Uhr morgens bereits 27kn Wind aus WSW, haben Genua stark gerefft und auch das Großsegel im 3. Reff! Wir müßen aufkreuzen, dieses mühsame Spiel bei anhaltenden 6-7 Bft. Wind betreiben wir bis Montag abend, wir hofften die ganze Zeit, dass sich der Wind legt. Wir prüften immer wieder den Wetterbericht der nur wenig Wind vorhersagte, aber die Wirklichkeit sieht anders aus. Wir kämpfen uns unendlich mühsam gegen den Wind vorwärts. Unser Schiff muß sehr viel aushalten, die Wellenberge sind sehr hoch und oft geht eine übers gesamte Vorschiff und tauft uns im Cockpit, dass wir pudelnass sind. Das ganze Schiff erzittert wenn die Wellen dagegen krachen, das ist oft so heftig, dass wir denken jetzt bricht es gleich auseinander, doch unsere „Lilly“ kämpft sich tapfer durch. Es ist sehr nervenaufreibend und kräftezehrend, wir haben eine starke Schräglage, jede Bewegung, ja jeder Handgriff benötigt sehr viel Kraft, und wir haben kaum Schlaf. Die Nachtwachen im 2-Stunden Takt sind anstrengend und jeder von uns kämpft mit dem Schlaf, ich kippe in meinen Wachen immer wieder kurzzeitig weg, Hannes geht es nicht anders. Am Montag sind wir dann endlich in unmittelbarer Nähe der SE-Küste von Spanien, wir beschließen bis dicht an die Küste zu segeln in der Hoffnung dass diese den Wind etwas abschirmt und wir dort in einer geschützten Bucht vor Anker gehen können, um endlich ein paar wertvolle Stunden Schlaf zu bekommen. Erst 3 sm vor der Küste nimmt der Wind etwas ab und kurz vor Cabo de Gata laufen wir in eine Bucht ein. Ich gehe ans Vordeck um den Anker klarzumachen, greife den Ankerschaft um den Anker aus dem Bug zu hieven, mir stockt das Blut in den Adern dort wo sich der Anker normalerweise befindet, ist außer nichts einfach nichts. Ich realisiere nach einigen Sekunden, wir haben den Anker verloren! Mir ist zum Weinen, ich kann nicht mehr, ich bin einfach platt, das ist jetzt Momentan zu viel für mich. Hannes sagt ich hätte ausgesehen als ich ihm das sagte, als ob ich einen Geist gesehen hätte. Hannes kommt zu mir nach vor, denn der glaubt mir das kaum, aber es ist tatsächlich so, er dreht sich um und sieht gleich noch einen Schaden, die Befestigungsschrauben unserer Fock an der Rollanlage haben sich auch in Luft aufgelöst, die hat sich auch der Sturm geholt. Wir schäkeln einen Ersatzanker an und gehen dann bei Einbruch der Dunkelheit endlich doch noch vor Anker. Ich mach noch schnell was zu essen, dann fallen wir ins Bett, endlich dürfen wir schlafen!

Dienstag 25.08.15 frühmorgens starten wir wieder, holen den Ersatzanker ein und fahren los unserem Ziel entgegen, es sind noch 45 sm bis Almerimar. Die ganze Fahrt über kein Lüftchen mehr, der Wind ist weg, wie wenn einer einen Schalter umgelegt hätte, einfach weg, tote Luft, unter Einsatz des Motors laufen wir um 15.30 Uhr endlich in Almerimar ein. Wir haben 1647sm in 12 Tagen zurückgelegt, nonstop!

Wir haben auf diesen Törn unsere erste Sturmfahrt erlebt, wir hatten keine Angst aber sehr sehr großen Respekt, wir haben beide noch mehr vertrauen in unser Schiff bekommen, es ist ein gutes Schiff und es wird uns sicher um die Welt bringen, aber vorher haben wir nun in Almerimar noch einiges zu tun um es Atlantiktauglich zu machen.

Auszug aus unserer To Do Liste:
Neues Anitfouling
neuer Anker muß beschafft werden, und angepasst
Rigg prüfen lassen
Fock neu befestigen
Schoten prüfem
Spibaum Leine wechseln
Opferanoden wechseln

Vor SW-Spitze Siziliens

Vor SW-Spitze Siziliens

Endlich Cabo de Gata, Südspanien.

Endlich Cabo de Gata, Südspanien.

Völlig müde und geschafft, halte ich mein Kaffeewasser, damit es nicht umkippt bei der Sturmfahrt.

Völlig müde und geschafft, halte ich mein Kaffeewasser, damit es nicht umkippt bei der Sturmfahrt.

Hannes hat Zeit zum Angeln.

Hannes hat Zeit zum Angeln.

Bei gutem Vorwindkurs geht auch Brotbacken!

Bei gutem Vorwindkurs geht auch Brotbacken!

der Himmel furchterregend schwarz!

der Himmel furchterregend schwarz!

Gewitterwalze über uns!

Gewitterwalze über uns!