Atlantiküberquerung 30.11.-16.12.15

Nun ist es soweit, wir gehen Anker auf in Mindelo“ mit Ziel „Barbados“ – Karibik. Wir sind sehr aufgeregt, und legen mit sehr gemischten Gefühlen ab, wohl wissend, dass wir ab jetzt mindestens 14 Tage nur Wasser um uns haben werden, ohne jegliche Möglichkeit auf Land zu treffen. Wird am Schiff alles klappen, wird das Wetter ok sein, werden wir 3 die Wachen schaffen, was wird uns sonst noch alles auf hoher See erwarten..? Wir haben uns auf jeden Fall gut vorbereitet, mental und technisch alles getan um eine angenehme Überfahrt gewährleisten zu können. Kaum aus der Ankerbucht gekommen, setzt auch schon Wind ein und wir setzten Segel, wir segeln zwischen den 2 Kapverdischen Inseln Sao Vicente und Sao Antao hindurch, kommen dann an die Südspitze von Antao und plötzlich will der Wind nicht mehr so recht, wir sind mitten in einer unangenehmen Krabbelsee wo wir kaum vorankommen, mit uns sind einige andere Segler ebenfalls gestartet, denen geht es genauso wie uns, segeln geht nicht mehr, der Wind dreht wenn vorhanden in unterschiedlichste Richtungen, also kurzzeitig den Motor an um aus dieser Inselabdeckung und der Krabbelsee so rasch als möglich rauszukommen. Nach 2 Stunden haben wir das dann auch geschafft, können wieder Segel setzen und weiter geht’s Richtung Barbados.

Da wir von Beginn an schon starke Dünung haben, ist Robin leider wieder Seekrank, es geht ihm nicht besonders gut, aber er ist trotz allem guter Dinge und versucht seinen Beitrag zur Fahrt zu leisten. Wir machen auch gleich noch die Wacheinteilung wir wechseln uns alle 2 Stunden ab, so kann jeder von uns 4 Stunden am Stück schlafen so unser Plan. Doch in der ersten Nacht kann keiner von uns wirklich Schlaf finden, jeder versucht es doch wir sind immer noch sehr aufgeregt und angespannt, auch müssen wir uns stark in der Koje verkeilen, da wir sehr stark in der hohen Dünung rollen. Unsere Logge ist ausgefallen, ist sicher voll mit Seegras durch das wir zur Zeit fahren, ganze Teppiche breiten sich vor uns aus, kaum zu glauben, dass hier mitten am Atlantik so viel davon herumschwimmt.

Am 2. Tag setzt dann auch so richtig schön der Passatwind ein, wir haben 18-27kn Wind von hinten, Hannes und ich gehen ans Vorschiff da wir unsere Genua sowie die Fock zum Schmetterling ausbaumen wollen. Wir haben alles gut Vorbereitet und so funktioniert dieses Manöver auch super, Robin bedient die Schoten vom Cockpit aus. Wir sind ein tolles Team wo jeder Handgriff sitzt. Robin ist immer noch Seekrank und hat wenig bis gar keinen Appetit. Der Tag vergeht wie im Flug und schon bricht die Nacht herein, wir schieben wieder Wache, das Schlafen ist noch immer nicht so unser Ding. Robin schläft im Salon da in der Vorderkabine der Seegang noch weniger verträglich ist. Die Nächte sich sehr lang, wir brauchen zur Zeit in der Nacht noch eine lange Hose und eine Jacke es ist noch etwas kühl. Wir haben Sternenhimmel wunderschön, viele Sternschnuppen die wir bewundern können. Der Mond grinst uns an, er hat den Mund nach oben, er erscheint am Atlantik anders als bei uns am Nachthimmel, tatsächlich sind die Mundwinkel nach oben wie bei einem Smiley. Robin geht es auch langsam besser, und wir vertreiben uns die Zeit zwischen den Wachen mit Karten spielen, lesen, englisch lernen, oder einfach nur mit Beobachten unserer Umgebung, die nur aus Wasser, Wasser und nochmals Wasser besteht. Aber in ihrer Erscheinung immer wieder völlig unterschiedlich zu bestaunen ist, je nach Himmel ob bewölkt, sonnig, regnerisch immer erscheint auch die Meeresoberfläche sehr unterschiedlich, und wir können uns nicht wirklich sattsehen, es ist einfach eine Meisterleistung der Natur die uns hier geboten wird.

Der 3. Tag erwacht langsam die Morgendämmerung dauert lange und wir können es kaum erwarten, dass es endlich wieder hell wird. Wir sitzen gerade beim gemeinsamen Frühstück als wir ein eigenartiges Klickgeräusch an der Steuersäule vernehmen. Was ist das jetzt? Es bleibt uns nichts anderes übrig als genau nachzusehen was dieses Geräusch verursacht. Nach einigem Suchen werden wir fündig, eine Schweißnaht hat sich genau beim Steuerarm am Kugelgelenk gelöst, oje oje, wir Rätseln und überlegen wie wir das Problem lösen können. Kurzerhand funktionieren wir unser Cockpit zur Werkstätte um, wir lösen die Verbindung des Ruders mit der Steuersäule so kann der Autopilot allein arbeiten. Wir bauen die gesamte Steuersäule ab, das heißt wir lösen unser Steuerrad das wandert in die Heckkoje, dann wird der Kompass abmontiert, dann sämtliche Verschraubungen die die Steuersäule mit dem Schiff verbindet gelöst, nun können wir die Säule ins Cockpit legen. Hannes schneidet mit der kleinen Flex die große Schraube so ab, dass die Länge stimmt. Wir arbeiten 2 Stunden auf Hochtouren bei 3 Meter Welle von hinten, das heißt jedesmal wenn wir die Welle runtersurfen, festhalten, warten, dann geht die Arbeit weiter. Wir haben das Thema gelöst und können die Säule wieder einbauen und das Steuerrad sowie Kompass wieder installieren. Ein erster Test zeigt uns es funktioniert besser wie vorher. Wir sind etwas geschafft, der Tag ist schon wieder vorbei und es dämmert die Nacht bereits, wir bereiten uns auf die Nachtwachen vor.

Wir haben nun seit 4 Tagen keinen Kontakt mit anderen Schiffen, keiner zu sehen, doch plötzlich blitzt am AIS ein englisches Schiff auf, Hannes funkt ihn an, es ist die SY Nautilus die wollen auch nach Barbados. Dann kommt ein zweites Schiff in Funkreichweite. Yipie wir sind nicht allein unterwegs, wir 3 Segler haben das gleiche Ziel, so vereinbaren wir ein tägliches Funktreffen immer am Morgen und am Abend, diese Funkrunde ist eine echte Bereicherung für uns, nach Tagen endlich wieder mal Stimmen zu hören. Wir können uns austauschen wie es den anderen so ergeht und was sich bei uns an Board tut, so erfahren wir, dass jedes Schiff so seine Themen hat, so können wir unsere auch leichter Akzeptieren.

Die Tage vergehen, endlich haben wir zu einer Boardroutine gefunden, die Nachtwachen verlaufen bis auf einige kleinere Squalls relativ ruhig, das Wetter ist uns weiterhin gut gesinnt und wir kommen gut voran. Immer wieder bekommen wir von unserem österreichischen Freund Günter sehr zuverlässig den Wetterbericht per SAT-Telefon, ein herzliches Dankeschön dafür!
Wir fangen eine gewichtige Goldmakrele von der wir 3 Tage satt werden. Die beiden anderen Schiffe fangen nichts, die haben nicht so viel Glück, so geben wir bei der täglichen Funkrunde unsere Geheimwaffe bekannt, ein selbstgebastelter Köder der super funktioniert. Wir fangen immer nur dann Fisch wenn wir auch wirklich welchen essen wollen, sonst genießen wir es wenn wir diese im Meer beobachten können.

Wir brauchen außer die Segel ein und aus zu reffen keine Segelmanöver zu machen, da der Passat immer relativ Konstant die Richtung beibehält. Alles verläuft soweit sehr ruhig, wir können zeitweise Delphine beobachten, das Meer rund um uns, die Wolkengebilde ober uns, und die vielen fliegenden Fische, die immer bei Abenddämmerung sehr aktiv werden. Hannes sitzt im Cockpit und patsch knallt ihm ein fliegender Fisch an die Schläfe, prallt ab und landet im Cockpit. Nach dem ersten Schreck, bergen wir diesen und verfrachten ihn zurück in sein Element das Wasser. Die Nächte und Tage sind schon deutlich wärmer geworden und wir können nun auch in der Nacht mit kurzer Hose die Wache halten. Auch sind wir draufgekommen, dass wir eigentlich immer am besten Schlafen könnten wenn wir Wache haben, also absolut unpassend, Augen aufspreizen ablenken, lesen, die Nase in den Wind halten, Rundumblick machen, dann geht’s wieder.

So vergehen die Tage doch relativ schnell, am 12. Tag macht unser Autopilot plötzlich Klack, klack, klack, was ist das nun wieder. Hannes ruft via Sat-Tel den Techniker in Österreich an, der meint da hätte sich eine Schraube im Autopilotmotor gelöst, es wäre einfach zu beheben, dazu müssten wir aber den Autopilot ausbauen, ups nächste Aktion an Board. Also was soll´s, das werden wir auch noch schaffen, also Robin ran ans Steuerrad es wird von Hand gesteuert. Robin steuert das Schiff wir bauen das Teil aus, bauen am Boden des Salons alles auseinander, doch es ist alles in Ordnung keine Schraube locker, also wieder alles zusammenbauen und wieder vor Ort einbauen, das einzige was wir gefunden haben, war ein Bolzen der etwas locker war, das haben wir fixiert und alles ist wieder ruhig, keine Geräusche mehr. Wir sind nun schon ca. 200 sm vor Barbados und verabreden uns per Funk mit den beiden anderen Segelschiffen gemeinsam weiter zu segeln, so drosseln wir unsere Geschwindigkeit, die anderen Schiffe geben Gas so halten wir uns immer in einem Abstand von ca. 5 sm und warten zusammen, dann kurz vor Barbados warten wir die Nacht ab um bei der Morgendämmerung gemeinsam einlaufen zu können. Natürlich wird für den bevorstehenden Abend ein Treffen zum Bier vereinbart, wir wollen alle endlich nach soviel Tagen auch ein Gesicht zu den nun vertrauten Stimmen sehen.
Wie immer sind wir nun freudig erregt, wir sehen nach 16. Tagen und durchwachten Nächten sowie 2020 sm, endlich Land welch ein unbeschreiblich erhebendes Gefühl, wir haben es tatsächlich geschafft, wir sind in der Karibik.

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Morgendämmerung am Atlantik

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Morgenrot

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Robin bei der täglichen Funkrunde!

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Hannes bei der Kontrolle des Riggs.

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Nach dem Regen kommt die Sonne!

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Lydia am Steuer!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Fangfrischer Fisch, mmmmh lecker!

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Vögel mit langem Schweif besuchen uns.

 

 

 

 

 

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Passatbewölkung

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Blue Lilly mit Schmetterlingsbesegelung

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Blue Lilly im Atlantik

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Die Dünung

Blue Lilly 2

Blue Lilly im Atlantik Schwell

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Flagge von Barbados gehisst, sowie die Einklarierungsflagge

 

 

 

 

 

 

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Barbados in Sicht!