Segeln nach Kolumbien (Cartagena)

Unsere Reise geht weiter, wir wollen nach Kolumbien, dazu lichten wir am 14.07.16 Vormittag den Anker in Spanish Water auf Curacao. Am Vorabend hatten wir nochmals das Wetter ordentlich überprüft, da diese Wegstrecke zu den gefährlichsten fünf Segelgebieten gehört. Wir treffen im Lokal auch noch zwei Segler mit spanischer Flagge, sie erzählen uns, dass sie nun schon beinahe 6 Wochen auf ein günstiges Wetterfenster warten, auch sie wollen nun zum selben Zeitpunkt aufbrechen wie wir.
So starten wir mit ca. 20 kn Rückenwind von Curacao in Richtung Aruba wo unser erster Wegpunkt liegt, sollte das Wetter wieder erwarten doch schlechter werden, könnten wir dort vor Anker gehen und abwarten, die Wellen sind heute sehr unangenehm, unsere „Lilly“ wird ordentlich in alle Richtungen durchgeschüttelt, es fühlt sich ein wenig wie ein Rodeo-Ritt an.
Robin u. Gloria leiden ein wenig an Übelkeit, doch mit einer Reisetablette hält sich die Seekrankheit in Grenzen. Hannes u. ich baumen die Genua u. die Fock aus, so ziehen wir unsere Bahn durchs Wasser und passieren Aruba bei Nacht, es ist einiges an Schiffsverkehr los, so dass wir bei unseren Wachen gut achtgeben müssen, um nicht mit einem der großen Schiffe auf Kollisionskurs zu gehen. Wenn es das Wetter zulässt möchten wir die Strecke von etwa 500sm in einem durch fahren, aber ich habe unsere Wegpunkte so gesetzt, dass wir sollte der Wind und die Wellen zu stark werden, immer wieder in Tagesabschnitten vor Anker gehen könnten, da sich Rund um das Kap „Cabo de la Vela“ und weiter Richtung „Santa Marta“ starker Seegang aufbauen kann der schon so manches Schiff in Not brachte. Doch zunächst bleibt das Wetter gut, der Wind lässt sogar nach und die See beruhigt sich ein wenig, so segeln wir bei Morgendämmerung vorbei an den „Los Monjes“, eine kleine Inselgruppe die schon zu Kolumbien gehört. Die „Los Monjes“ begrüßen uns mit Wetterleuchten rund um uns, wir reffen ein, da wir ein Gewitter befürchten, doch es bleibt ruhig, der Wind nimmt leider sogar noch etwas ab, also wieder ausreffen, so bleiben wir beschäftigt. Wir haben immer wieder Funkkontakt mit den 2 spanischen Segelschiffen, auch sie kommen gut voran und an Board ist alles in Ordnung. In unserer 2. Nacht passieren wir „Cabo de la Vela“ der Wind ist beinahe weg, wir dümpeln dahin. Die Spanier fahren unter Motor weiter, wir wollen segeln, sind eben um vieles langsamer als die zwei unter Motor, aber das macht ja nichts, wir haben Zeit, das Wetter sollte gut bleiben. Einer der Spanier funkt uns an, er hat Probleme mit seinem Autopilot und sie müssen alles per Hand steuern, das ist heftig, sie wollen daher sobald sie in „Santa Marta“ sind vor Anker gehen, um das Problem zu lösen. Den ganzen Tag über ist wenig Wind, wir kommen nur langsam voran, haben zwar das Kap schon hinter uns, haben jedoch immer noch 65 sm bis „Santa Marta“ als der Wind plötzlich wieder auffrischt und in unsere Segel mit 27kn fährt. Die Wellen nehmen rasch an Höhe zu, es baut sich rasch eine harte, unberechenbare, kurze Welle auf, die uns schrecklich durchbeutelt. Der Wind steigert sich auf 32kn wir sind nun etwas schneller, aber nicht so schnell wie normalerweise bei dem Wind, da uns Strom der gegen uns setzt, stark abbremst. Haben immer noch eine beschissene harte Welle, an schlafen ist nicht zu denken. Die ganze Nacht hindurch bleibt der Wind sehr böig und unberechenbar, die Wellen sind nach wie vor unausstehlich, eine absolut ungute Kreuzsee, wir sind kurz vor „Santa Marta“, der Wind gibt nochmals Gas und treibt uns voran mit 40kn von hinten, unser Segel ist auf Handtuchgröße gerefft, wir fahren trotzdem 6-7 kn und das gegen den Strom, das ist mehr als genug Energie rund um uns, die Gischt fliegt immer wieder von den Wellenkämmen davon. So kommen wir unserem Ziel stetig näher, fahren an Baranquilla vorbei, der Wind beruhigt sich endlich, die See wird deutlich ruhiger, wir atmen auf, noch 36sm bis Cartagena unserem Ziel in Kolumbien. Wir verkleinern die Segel da wir nicht in der Nacht in Cartagena einlaufen wollen. Es ist Mitternacht und wir sind 30 sm vor unserem Ziel, der Wind schläft ein, wir starten den Motor, um 2.00 Uhr früh tauchen Gewitterwolken auf, der Wind dreht, kommt von vorne mit 25 kn, toll das brauchen wir jetzt auch noch unbedingt, so ein Mist, ich packe die gesamten elektronischen Geräte in den Backofen, denn es Blitzt und kracht gehörig, wir haben Angst dass ein Blitz einschlägt, der ganze Spuk dauert 2 Stunden, dann zieht das starke Gewitter ab, uns und unserem Schiff ist nichts passiert, doch das Wetterleuchten bleibt die ganze weitere Nacht hindurch. Im Morgengrauen des fünften Tages unseres Trips taucht dann endlich die Skyline von Cartagena vor uns auf, wir fühlen uns als ob wir uns Manhattan nähern würden, wir steuern „Boca Grande“ an wo wir mit unserem geringen Tiefgang in den Seitenarm der großen Bucht einfahren können, und uns so ein paar Seemeilen sparen.
Die Großschifffahrt die hier be- u. entladen wird muß ein gutes Stück weiter unten in die riesige Bucht einfahren.
Um 09.30 Uhr am 18.07.16 gehen wir glücklich und zufrieden mit uns selbst vor Anker in Cartagena direkt vor der Marina Club Nautico, wo wir uns später ums Einklarieren kümmern müssen. Aber davon Berichte ich dann das nächste mal.

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„Los Monjes“

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Endlich erwacht der Tag, nach der langen Nachtwache immer wieder heiß ersehnt!

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Klein Manhatten liegt vor uns.

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Küste Kolumbiens

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