Kolumbien

Video: Kolumbien

Bericht geschrieben von Gloria u. Robin:

In den frühen Morgenstunden erreichten wir die Großstadt Cartagena. Die großen, weißen Hochhäuser waren schon von weitem zu sehen. Nachdem der Anker im Hafenbecken von Cartagena, umringt von großen Containerschiffen und anderen Segelbooten, gut hielt machten wir uns auf zur Marina Club Nautico um einzuklarieren. Dazu benötigt man in Kolumbien einen Agenten, da die Behörden nicht mit den Seglern direkt sprechen wollen. Die Gesamtkosten für das Einklarieren  betrugen 290US$. Dies inkludiert den Agenten, ein „cruising permit“  für 1 Jahr, sowie die Ein- und Ausklarierungskosten. Teuer wird es da wir das Schiff sozusagen zeitlich begrenzt importieren mussten, also sehr kompliziert und umständlich, reine Geldmacherei. Dieses Prozedere dauerte fast eine Woche, wobei wir am ersten Tag unsere Pässe abgeben mussten, diese dann am Abend wieder gestempelt, also offiziell eingereist zurückerhielten. Also konnten wir uns ab diesem Zeitpunkt frei in Kolumbien bewegen, das Schiff offiziell im Land zu haben dauerte eben fast eine Woche, da ein Beamter an Board kommt und die Motorseriennummer überprüft, wenn das dann endlich passiert ist, ist somit auch das Schiff offiziell im Land, wozu das gut sein soll weis kein Mensch. Das ganze kann man sich sparen wenn man angibt nur ein paar Tage zu bleiben, dann bekommt man eine temporäre Aufenthaltsgenehmigung, geht um einiges schneller und kostet wesentlich weniger. Da wir uns aber 2 Monate im Umkreis um Cartagena aufhielten, wählten wir den teuren ganz offiziellen Weg, im nach hinein betrachtet, hätte es gereicht, wenn wir das günstigere temporäre Permit genommen hätten, aber wir müssen Gloria wieder von der Crew Liste streichen lassen, da sie von Cartagena nach Hause fliegt, und wir lieber jeglichen Schwierigkeiten mit den Behörden aus dem Weg gehen wollten.

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Nachdem die Formalitäten erledigt waren, spazierten wir in die Altstadt von Cartagena. Zuerst geht man durch das prächtige Stadttor von Cartagena, wo bereits die ersten Sightseeing Touren angeboten werden und die ersten Souvenirstände platziert sind. Danach schlenderten wir durch die vielen buntgemischten Gassen von Cartagena und genossen die Vielzahl an frischem Obst und erfrischenden Kokosnüssen. Ein Highlight der Stadt Cartagena ist die Festung Castillo de San Felipe de Barajas. Castillo de San Felipe ist die größte, je erbaute Festung in einer spanischen Kolonie. Die großen Festungsmauern machten die Burg uneinnehmbar. Die Festung hat viele, kleine, dunkle Tunnelsysteme zu bieten, welche eine kühle Abwechslung zum heißen Cartagena sind. Die Stadt hat viele kleine Geschäfte wo man allerhand Dinge rund um Elektrik und Hauswaren bekommt. In den Abendstunden kann man tolle Spaziergänge durch die Stadt unternehmen, da es nicht so heiß ist.

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Wir besuchen die kleine Pizzeria
„I Balconi“ welche sich im zweiten Stock eines alten Hauses befindet, sie ist für ihre vielen, kleinen Balkone und guten Pizzas berühmt. In der Altstadt von Cartagena kann man viele Stunden verbringen und sich regelrecht in der Stadt verlieren, abends kommen dann aus allen Gassen die Einheimischen um zu musizieren, wir stehen auch am Rande eines Platzes wo getanzt wird, doch als das Publikum scheinbar wahllos zum Tanzen aufgefordert wird, verziehen wir uns lieber in die hinteren Reihen, keiner von uns vier hat Lust Salsa zu tanzen, obwohl die heißen Rhythmen sehr mitreißend und ansprechend sind. Wir genossen die Atmosphäre der quirligen Stadt rund um uns sehr. Als wir abends zur Marina zurückkommen, sehen wir eine Frau völlig schlapp, beinahe so als wäre sie tot in einem Sessel liegen, die Polizei ist hier, es wird uns erzählt , dass die Touristin allein in der Stadt unterwegs war, ihr wurde ein Papier in die Hand gedrückt, dieses war getränkt mit einer Droge die über die Haut aufgenommen wird, und bewusstlos macht. Sie fand sich völlig nackt im Busch wieder, sie konnte sich an nichts erinnern, alle ihre Habseligkeiten waren weg, ein Fischer fand sie und brachte sie in di e Marina. Sie war immer noch stark von dem Gift benommen und kippte immer wieder weg, sie wurde ins Krankenhaus gebracht. Die Kriminalität in Kolumbien ist hoch, speziell der Drogenhandel und die Schmuggler sind sehr aktiv an der Grenze zu Venezuela und an der Grenze zu Panama, da sollte man sich nicht unbedingt aufhalten. Wir hatten in der gesamten Zeit nie ein Problem, wir fühlten uns immer sicher und nett behandelt, obwohl wir von anderen Seglern ganz neue Fotos sahen, wo ein Segler der von Cartagena zur Insel Rosaria segelte um dort sein Unterwasserschiff von den unvorstellbar dreckigem Hafenwasser Cartagenas zu reinigen, niedergeschlagen wurde. Er hatte ein blutiges, blaues Auge, somit mieden wir diese Plätze wo sich extrem viele Touristen aufhalten.

IMG_5745Kenny und Jessy von der SY „Makai“ haben uns viele Tipps für unsere Weiterreise nach Panama gegeben. Sie leben schon seit 10 Jahren im Hafenbecken von Cartagena, wobei Kenny für Schiffs -Reparaturen aller Art zuständig ist. Kenny spielt auch jeden Freitag in einer Bar „Clockbar“, rechts nach dem Eingangstor der Altstadt von Cartagena, in einer Band die Mundharmonika.

Durch den Tipp von Kenny segelten wir wieder weg von Cartagena, in die Lagune von Baru nach Cholon. Die Einfahrt in die Lagune ist sehr schwierig zu durchqueren, da es einige Untiefen mit ca.2 Meter Tiefe gibt, man sollte sich sehr nahe an der letzten roten Tonne halten. Baru ist eine große Lagune wo sich die Partypeople am Wochenende tummeln. Unter der Woche ist es eine ruhige und idyllische Bucht.

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Dort befreiten wir den Rumpf von den vielen Pockenmuscheln, die im Hafenbecken von Cartagena binnen 5 Tagen nur so dahin wucherten. Die von Mangroven, Palmen, u. kleinen Stränden  umgebene Lagune bietet sich an um schwimmen zu gehen, da sie sehr geschützt von hohen Wellen ist. Von der Lagune machten wir uns mit dem Dinghi zu einer halbstündigen Fahrt, durch enge  und seichte Mangroventunnel, zum Dorf Baru auf. In Baru erledigten wir Einkäufe und machten einen Rundgang durch den beschaulichen kleinen Ort wo wir auf den Ortsbäcker stießen. Der Bäcker arbeitet noch sehr althergebracht, soll heißen, das Mehl wird von Hand gesiebt, der Teig von Hand geknetet, er hat nur  einen Backofen, wir stehen mitten in der Backstube und suchen uns das Brot aus welches wir haben wollen. Ein und derselbe Teig wird mit süßem Marmelade gefüllt, oder mit Käse überbacken. Es duftete sehr lecker, und wir decken uns für die nächsten Tage mit allerlei Leckereien ein. Da er uns beim Bezahlen nicht wechseln kann, wird ein Junge losgeschickt um Wechselgeld zu besorgen, wir müssen warten, der Bäcker tritt mit uns in den Hinterhof wo ein großer Baum steht, von dem er einige runde, grüne, ca. nussgroße Früchte pflückt, uns zeigt wie wir sie essen sollen, und uns dann jedem eine Handvoll der leckeren, leicht süß-säuerlich schmeckenden, und an die chinesischen Litschi erinnernde Frucht schenkt.

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In der Lagune gibt es, gegenüber der Einfahrt, das Hotel „Hotel Sport Baru“. Dort ist man als Segler an der Bar willkommen. Es gibt auch kostenfreies W-Lan und einen ordentlichen Steg für Dingihs. Das Hotel nimmt auch US-Dollar und man kann auch US-Dollar in Pesos wechseln lassen.

Von Baru sind wir weiter zur Isla Tintipan gesegelt. Dort ankerten wir zwischen unzähligen Korallenblöcken, welche das Ankern schwierig machten. Bei Südwind steht man auflandig mit hohem Schwell, welcher das Ankerliegen ungemütlich macht. Trotzdem gingen wir  schnorcheln und entdeckten unzählige bunte Fische zwischen den Korallen. Tags darauf machten wir einen kleinen Ausflug zur nahegelegenen Insel „Isla de Islote“, welche sehr dicht besiedelt ist, auf der winzig kleinen Insel leben über 400 Personen. Die Menschen dort waren sehr freundlich und kommunikativ, da wir leider kein spanisch sprechen und die Insulaner kein Englisch konnten wir uns nur mit Zeichen, Zeigen, Mimik und Gestik verständigen, so konnten wir auch unseren Wassertank wieder auffüllen. Da der Wind auf Süd drehte und unser Schiff an der Kette zwischen den Korallen im aufkommendem starken Schwell auf und ab hüpfte, und wir uns daher um die Ankerkette sorgten,  gingen wir sehr früh am Morgen Anker auf und segelten nach Barrugas.  Dieser Ort befindet sich an der Westküste von Kolumbien, der Ankergrund ist schlammig und sandig, der Halt ist sehr gut, jedoch gibt es auch hier hohen Schwell, da dies eine große weite nach Südwest offene Bucht ist . Wir hatten Glück und nutzten die kurze Zeit ohne Schwell um an Land zu gehen. Dort empfingen uns die Einheimischen sehr freundlich. Nach machten einen Dorf Trip die Eindrücke waren überwältigend, wir kommen uns vor als ob wir in mittelalterlichen Dorfleben unterwegs wären. Unzählige große u. kleine, sehr gesund aussehende Schweine liefen uns über den Weg, die Dorfstraße eine einzige dreckige erdige durch den Regen aufgeweichte morastige Fläche, ärmliche Häuser, weite eingezäunte Flächen, offenbar zur landwirtschaftlichen Nutzung vorgesehen, beherrschen das Bild. Es gibt sogar einige Lebensmittelläden, eine Schule, Polizeistation wo sich keiner befindet. Die Kinder blicken uns neugierig aber mit glücklichen Augen an, sie tollen auf den Straßen ausgelassen herum. Nachdem wir genug gesehen hatten, landeten wir in der Dorfkneipe, wo wir gleich zum Bier trinken animiert wurden, und von den Einheimischen die in Gruppen zusammensaßen gleich mit einer Runde Schnaps versorgt wurden. Wir genossen die Ursprünglichkeit und Sorglosigkeit der Menschen sehr in diesem Dorf.

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Nach zwei Tagen ging es weiter zur Insel „San Bernardo“ die von Privaten Ferienhäuser zur Gänze besiedelt ist. In einigen Häusern leben Fischer welche auf die Häuser aufpassen. Da Hannes die Fischer auf der Insel immer wieder nach Fisch gefragt hat, kam am nächsten Tag auch schon ein Fischer mit drei Red Snappern längsseits, der Fisch wurde gleich an Ort und Stelle ausgenommen, geschuppt und dann ab in die Pfanne, war lecker.

Als nächstes segelten wir nach Rincon, wo wir einige Einkäufe erledigten und Wasser holten. Rincon ist ein kleiner Ort, jedoch nicht mehr ganz so ursprünglich, hier sind die Menschen schon ein wenig Tourismus gewohnt und haben auch ein Restaurant im Ort. Die Bucht ist ungeschützt und offen, deshalb steht der Schwell wieder sehr hoch. Daher segelten wir am nächsten Tag wieder nach Baru, dort verbringen wir noch eine Woche und dann geht es wieder zurück nach Cartagena, wo Gloria nach Hause fliegt.