Sapzurro (Kolumbien)

Nachdem wir Gloria zum Flughafen gebracht hatten, kehrten wir zum Schiff zurück und gingen Anker auf mit Ziel Sapzurro. Zuerst ging es aber nochmal in die geschützte Bucht nach Baru um das Unterwasserschiff zu putzen. Dann ging es weiter nochmal eine Nacht vor Anker in der Bucht vor San Bernardo, frühmorgens gehen wir Anker auf und starten unseren Trip zu unserem Ziel, wir können Segeln dann aber leider wieder Motoren und dann wieder segeln, müssen aber immer wieder aufkreuzen da wir den Wind die meiste Zeit leider von vorne haben, so brauchen wir länger als geplant und kommen im Dunklem vor der Einfahrt zur Bucht in Sapzurro an, wir entschließen uns vor der Bucht die Nacht abzuwarten um dann im Morgenrauen nach Saprurro rein zu fahren. Da wir die Bucht nicht kennen und wir 2 Programme laufen haben, einerseits unsere Navionics- Karten zum Anderen das Open CPN, die voneinander starke Abweichungen aufweisen und wir somit keinem Programm wirklich vertrauen, so ist es besser Eyeball-Naviagtion zu machen, um sicher zu gehen auf kein Riff aufzulaufen, das war eine gute Entscheidung, denn die Bucht ist links und rechts der Einfahrt gespickt mit Korallenköpfen, aber wenn man sich schön in der Mitte der Bojen hält ist es einfach reinzufahren.

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Sapzurro

Wir lassen den Anker fallen nahe am Strand wo nur vereinzelt Häuser stehen, und weg vom Dorf um mehr Ruhe zu haben. Es lag bereits ein Schweizer und ein Spanier vor Anker, wir brachten noch eine Landleine aus, um das Boot im Schwell zu halten, der von Zeit zu Zeit in die Bucht steht. Wir wurden die ganze Fahrt über wie schon die ganze Zeit in Kolumbien wieder von täglichen Gewittern begleitet, auch hier in Sapzurro hatten wir täglich zum Teil sehr heftige Gewitter, zum Glück ist die Bucht sehr geschützt und die Hauptgewitterzellen bleiben immer hinter uns und gehen in den Darien-Bergen mitten im Dschungel nieder. Wir haben uns mittlerweile zur Angewohnheit gemacht den Plotter, Laptop, Hand-GPS alles ins Backrohr zu stecken, um hoffentlich sollte ein Blitz in unmittelbarer Nähe einschlagen die Geräte geschützt zu wissen. Der Spanier lebt schon einige Jahre hier und weis viel über die Gegend. Er empfiehlt uns noch abzuwarten und erst später in das Kuna Yala (San Blas) Gebiet einzufahren, da dort die Gewitter noch wesentlich heftiger sein sollen, und immer wieder heftige Blitzschäden an Booten vorkommen, die natürlich eine Menge Geld kosten. So warten wir ab und erkunden derweil unsere umliegende Gegend.

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Bucht mit dem kleinen Dorf Sapzurro

Wir spazieren in das kleine beschauliche Dorf (1000 Einwohner), das beinahe direkt an der Grenze zu Panama liegt. Wir werden nicht recht schlau wovon die Leute hier wirklich ihren Lebensunterhalt bestreiten, denn arbeiten sehen wir niemanden, es gehen einige Gerüchte um, dass der ganze Ort irgendwie vom Schmuggeln lebt. Wir können auch einiges Beobachten, es werden Menschen die mit prall gefüllten, schweren Rucksäcken beladen sind, in kleinen Booten an den Strand gebracht, dort verschwinden diese auf nimmer wiedersehen im Dschungel. Es ist bekannt, dass es hier entlang der Grenze zu Panama einige sehr gefährliche Dschungelpfade gibt, da diese von Guerilla-Kämpfern kontrolliert werden. Die Pfade werden immer noch genutzt um für gutes Geld Menschen die oft aus Kuba u. Haiti stammen über die Grenze von Kolumbien nach Panama zu schmuggeln, diese schlagen sich dann wenn sie Glück haben, von Panama aus in die USA durch. Wohl auch Drogen werden in großen Mengen geschmuggelt, wir bekommen zwar davon nichts mit aber es wird immer wieder ganze Nächte lang unter lauter Musik mit reichlich Alkoholkonsum durchgefeiert, angeblich immer dann wenn die Schmuggler wieder einen Deal erfolgreich abgewickelt haben. Wir sehen zwar Polizei im Ort, aber keiner kümmert sich um irgendwas, wir denken auch die hiesige Polizei partizipiert am Schmuggel mit. Im kleinen Dorf gibt es eine Bäckerei, einen Metzger, einige kleine Minimärkte, und einen einzelnen Farmer der etwas Gemüse verkauft.

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Gemüsebauer

Bei der vermeintlichen Bäckerei, das Haus sieht ziemlich verkommen aus, versuchen wir Brot zu kaufen, die Frau erklärt uns wir sollen später wieder kommen, am besten manjana (morgen), gesagt getan, tags drauf stehen wir wieder vor der leeren Vitrine, sie erklärt uns es ist Großvatertag da bäckt sie nicht, so heißt es wieder manjana, ja die Leute arbeiten hier offensichtlich wirklich nur wenn sie es gerade freut und nicht um ernsthaft Geld zu verdienen, unvorstellbar für uns Europäer. Aber man gewöhnt sich ja an vieles, und so können wir nach einigen Versuchen doch endlich das hier übliche etwas süßlich schmeckende Brot kaufen. Auch alle handelsüblichen Waren werden vom Versorgungsschiff gebracht, das auch nicht immer zuverlässig kommt, so gehen wir oft mit leeren Händen wieder nach Hause, da es wieder mal kein Gemüse gibt, manjana (morgen) vielleicht. So zieht man von dannen und hofft auf den nächsten Tag um da sein Glück zu versuchen ein paar Tomaten oder Gurken zu bekommen. Wir müssen eine Art Liegegebühr bezahlen, ca. 10 € pro Monat, das inkludiert das Wasser (unbegrenzt) und die Müllentsorgung. Doch die Entsorgung des Mülls ist quasi nur eine Alibihandlung, denn es wird erwartet, dass jeder seinen Müll selber irgendwo am Strand verbrennt, es gibt keine Müllabfuhr oder dergleichen. Es gibt auch kein einziges Auto, keine Straßen, nicht einmal Esel od. Pferdekarren, kein Moped nichts. Nur einige Fußwege die im Dorf zwischen den Häusern verlaufen, der nächste größere Ort ist ca. 3sm (5,4km) entfernt, und nur mit einem kleinen Boot auf dem Seeweg od. durch einen schmalen Dschungelpfad zu Fuß zu erreichen. Der Ort heißt Capurgana ( 2000 Einwohner), wir wandern natürlich einige Male in den Ort, steil hinauf durch den Dschungel, der Pfad ist gesäumt von Wurzeln, Blättern und Strauchwerk, das alles bei Regen sehr rutschig wird und wir daher immer mit guten griffigen Schuhen unterwegs sind. Die ganze Wanderung über können wir viele in ihren Formen, Größen und Farben völlig verschiedene Schmetterlinge beobachten. Eine grüne (Dschungelfarbe eben), lange Schlange verzieht sich unter das dichte Blattwerk, viele Eidechsen huschen vor uns davon. Der Urwald beherbergt einige unterschiedliche Affenarten, eine Gattung davon konnten wir erspähen, die Brüllaffen jedoch nur hören, ihr Brüllen ist kräftig und nicht zu überhören. Wir verhalten uns ganz still, und lauschen den uns unbekannten Geräuschen im Dschungel. Ist schon eine sehr faszinierende, uns unbekannte Welt mitten im Urwald.

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Flughafentaxi

Man kommt aus dem Wald und das Dorf fängt an, in Capurgana gibt es eine Art Straße die aber nur mit Mopeds und Esel od. Pferdewagen befahren werden. In diesem Ort gibt es einige Hostels die von Backpackern in der Hauptsaison (Juni-August) stark frequentiert werden. Die Wanderung dauert Hin u. Zurück je nach Beschaffenheit des Weges (rutschig u. glitschig bei Regen) ca. 2,5 – 3 Stunden, und ist außerordentlich schweißtreibend, da es sehr heiß und die Luftfeuchtigkeit extrem hoch ist, so freuen wir uns jedesmal wenn wir nach der Anstrengung gleich ins Meer hüpfen können um wenigsten den Schweiß abzuwaschen, denn von Abkühlung möchte ich nicht sprechen, die Wassertemperatur beträgt ebenfalls 30°C also Badewannentemperatur. Es gibt einige Wanderungen von Sapzurro aus, z.B. an das nahe gelegene Cabo Tiburan, oder raus zum Leuchtturm.

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An der Grenze zu Panama, hinab gehts nach La Miel (Panama)

Eine weitere Wanderung vom Ort aus, wo ein über unzählige Stufen führender Weg steil Bergauf zum Grenzpass nach Panama führt (Reisepass unbedingt mitnehmen), runter in die wunderschöne Bucht La Miel, wo sich übrigens ein Duty-Free Shop befindet, wir kaufen dort Bier ein, das günstig zu erstehen ist und schleppen die Trays über die vielen Stufen nach Sapzurro-Kolumbien.

La Miel

La Miel

Wir unternehmen auch eine Fahrt mit einem Taxiboot zu nächsten Stadt Arcandi, aber das ist keine Stadt wie wir es uns so vorstellen, es gibt zwar Straßen, aber wiederum keine Autos, es befindet sich ein Flughafen hier, der von kleinen Maschinen angeflogen wird, die Fluggäste werden mit Eselwagen auf denen abgesägte Gartensessel angeschraubt sind zum Flughafen gekarrt oder so abgeholt und weiter in die Hostels mit Taxibooten gebracht.

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einziges Transportmittel in Capurgana

In Arcandi verbringen wir die Zeit mit Einkaufen, und suchen des einzigen Bankomates in der Stadt, da wir kaum spanisch sprechen können wir den Erklärungen die wir immer bekommen, wenn wir nach dem Weg fragen, nicht wirklich was entnehmen, Hannes spricht einen Mopedfahrer an der packt uns kurzerhand auf sein Moped, so düsen wir zu dritt auf einem Moped durch die Stadt zum Bankomat, wir sind schon dran vorbeigelaufen, konnten den Bankomat aber als solchen nicht erkennen, nur durch eine kleine schmale Tür die kaum aufgeht, wo wir uns in die etwa 1m² kleine Zelle quetschen und Geld abheben, der Bankomat hat funktioniert, kaum zu glauben. Dann erledigen wir noch die nötigsten Einkäufe, wir besorgen all die Sachen die wir in Sapzurro nicht bekommen können. Dann geht es mit dem Taxiboot denselben Weg wieder zurück, aber nun ist das Boot völlig überladen, alle Sitze sind mit Passagieren voll und deren Gepäck vorne am Bug verstaut, so tiefergelegt hat das Boot kaum mehr Freibord zum Wasser, und mit jeder Welle an der unser Gefährt hart aufschlägt und die wir überfahren taucht das Boot tief ein und tauft uns alle, mir brennen die Augen von der salzigen Gischt, nach einer Weile machen wir einen Zwischenstopp in Chapurgana um dort die Touristen aussteigen zu lassen, dann geht es für uns wenige verbleibende zurück nach Sapzurro, pitschnaß und froh endlich wieder Boden unter den Füßen zu haben steigen wir am Kai aus und machen uns auf den Fußmarsch zurück zu unserem Schiff.

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Originaljacht von Bernard Moitiessier die Joshua 12m

Ein ganz besonderes Juwel der Jachtgeschichte befand sich neben uns in der Bucht in Sapzurro. Die Originaljacht von Bernard Moitiessier, nämlich die berühmte Joshua 12m!!! Mit diesem Boot war er Teilnehmer bei der Nonstopregatta um die Welt ( 1968-1969), die er in Führung liegend, nicht beendet hat sondern weiter nach Tahiti segelte, wo er die Fahrt nach 10 Monaten ununterbrochenen Segeln beendete. Die Fahrt und die Art seiner Bücher machten Ihn zur Legende.

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Blue Lilly und die Joshua 12m

Wir haben das Boot eindeutig am Typenschild am Niedergang identifizieren können. Es ist die Joshua1. Leider liegt das Boot vom derzeitigen Besitzer seit 4 Jahren verlassen in der Bucht. Es fehlen der Motor und teilweise auch die Einrichtung. Der Niedergang ist offen und somit hat sich der Rumpf mit ca. 30cm Regenwasser gefüllt. Leider ist das Boot nicht mehr zu retten. Die Einheimischen werden es demnächst auf das offene Meer ziehen und versenken damit es nicht in der Bucht zum Hindernis als Wrack wird. Schade um das Geschichtsträchtige Boot!!

Wir treffen ein junges deutsches Pärchen, die sich ein Jahr Auszeit genommen haben und als Backpacker Südamerika erkunden, wir geben uns gegenseitig Tipps und bekommen einen ultraschnellen Spanischkurs mit den gängigsten Wörtern, einige Wörter und Phrasen haben wir schon gelernt aber immer noch viel zu wenig.  Wir verbrachten 3 Wochen in Sapzurro, doch nun rutschen wir schon wieder etwas nervös am Boot hin und her, wir wollen wieder weiter auf nach Kuna Yala.