San Blas – Kuna Yala

Los geht es wieder, wir wollen weiter nach Kuna Yala (Kuna Land), gehen Anker auf in Sapzurro und prompt haben wir mit unserer Ankerkette uralte verrostete Bettfedern eingefangen, die lassen sich nur durch energisches Zerren und Rütteln sowie unter Zuhilfenahme eines Messers abschütteln, dann endlich können wir die Ankerkette vollends einbringen und losfahren. Unser Ziel der Grenzort Obaldia ist ca. 20sm entfernt, dort wollen wir für Panama einklarieren. Um 9.00 Uhr früh sind wir bereits vor Anker im Grenzort, wir rudern mit dem Dingi an Land, wo uns schon das Militär, das sich in einem kleinen Häuschen das mit rundherum aufgeschichteten, grüngrau bemalten Sandsäcken gegen Kugelhagel gesichert ist, erwartet. Durch kleine Öffnungen die als Fenster dienen werden wir von einem Soldaten begrüßt.

dscf0524Wir erläutern ihm was wir hier wollen, woraufhin der absolut nicht weis was zu tun ist, er schnappt sich unsere Schiffspapiere sowie unsere Pässe und verschwindet damit hinter dem Zaun den wir nicht überschreiten dürfen. So warten wir mit einem weiteren Soldaten in der Hitze beinahe 1 Stunde lang bis der Soldat mit unseren Papieren wiederkommt und uns endlich in den Ort hineinlässt uns noch erklärt wo wir hin müssen, dann dürfen wir losstarten zu unserem Einklarierungsmarathon. Der Beamte im Office spricht kein Englisch wir leider kein Spanisch, so braucht es wieder einige Zeit bis wir aushandeln, er sucht einen Immigranten der englisch spricht, wir sollen warten er kommt gleich wieder, nach weiteren 30 Minuten kehrt der Beamte mit einem kubanischen Mann wieder. Dieser wird kurzerhand nur von allen „Kuba“ genannt, er ist sehr freundlich und übersetzt alles was wir wollen, es müssen etliche Kopien von unseren Papieren gemacht werden, dazu müssen wir ein paar Häuschen weiter wo ein alter kleiner Tintenstrahldrucker steht, ein weiterer Herr unsere Kopien erstellt, dann wieder zurück zum Einklarierungsbeamten alles unter Begleitung von „Kuba“ der uns nicht mehr von der Seite weicht bis wir alles erledigt haben. Er erzählt uns, dass in Obaldia gerade 140 Kubaner auf Weiterreise durch den Dschungel hoch nach Amerika warten, diese Leute erhoffen sich alle ein besseres Leben in den USA, hoffentlich werden sie nicht enttäuscht. Auch der Officer für die Region „Kuna Yala“ befindet sich im Ort, auch bei ihm klarieren wir ein. Also haben wir beim Kuna Officer 80 US$ gezahlt, für ein Monat Cruisingpermit nur für Kuna Yala, für die Einklarierung samt Cruisingpermit für 1 Jahr in Panama haben wir gesamt 615 US$ (Immigration 315 US$, 105$ p.P., Port Authority 300 US$) gelöhnt. Wir bekommen unsere Papiere gestempelt wieder zurück, nun sind wir offiziell in Panama bzw. Kuna Yala der Officer händigt uns für diese Region noch ein Zertifikat aus und erklärt uns, dass wir auf keiner von den ca. 360 Inselchen weiter Geld bezahlen müssen. Dann geht es zurück zum Grenzzaun wo wir wieder warten müssen, nach 5 Stunden und ordentlichem Geldverlust ist unser Einklarierungsmarathon endlich vorbei, so kehren wir zum Schiff zurück gehen Anker auf und fahren weiter in die nahe gelegene Bucht Puerto Perme. Wir liegen völlig allein in der geschützten Bucht, hinter uns liegt das erste Kuna Dorf Anachucuna, das sich am Festland Panama´s befindet, dieses besuchen wir natürlich. Dazu habe ich mir einige Kuna-Wörter aufgeschrieben um mit den Leuten zumindest ein wenig kommunizieren zu können. Wir werden von den Kindern bestaunt, jedesmal wenn ich ein Foto machen möchte, laufen sie schnell davon.

Fotomodell

Fotomodell

Nur ein Junge spricht uns an und macht stolz mein Fotomodell. Ich komme mit ein paar Kunafrauen, die alle in ihrer traditionellen Tracht (Molabluse, bunter Stoff gewickelt zum Rock, sowie an Füßen u. Händen kunstvoll geknüpte Bänder) gekleidet sind ins Gespräch. In dieses Dorf kommen nur eher sehr selten Touristen, wir haben das Gefühl nicht wirklich willkommen zu sein, wir fühlen uns regelrecht als Eindringlinge, nach unserer Runde im Dorf marschieren wir in Richtung Schiff, da hält uns plötzlich eine Frau auf und will Geld für das betreten des Dorfes haben, 5 US$ p. Person, wir erklären ihr, dass wir gerade vor 2 Stunden 80 US$ bezahlt haben, sie weicht zurück und schickt uns ihren Mann der wieder das Geld einfordert, wieder erzählen wir ihm dass wir gerade bezahlt haben und nicht bereit sind schon wieder zu bezahlen, hat uns doch der Officer versichert, dass wir nirgends mehr zu zahlen haben. Nur sehr widerwillig lässt er uns abziehen, wir verlassen das Kunadorf mit sehr gemischten Gefühlen, und eine Vorahnung sucht uns heim, passiert uns das nun auf jeder Insel?

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Kunafrauen beim fertigen der Molas

Ich backe noch frisches österreichisches Vollkornbrot, Hannes u. Robin müssen die Gasflasche wechseln, da mitten im fröhlichen Backprozess das Gas ausgeht. Die beiden flanschen eine neue kleinere Gasflasche an und weiter geht das Backen, dem Brot hat die Unterbrechung nichts ausgemacht, es schmeckte köstlich. Nächster Tag Abfahrt nach „Puerto Escosés“, dies ist eine große Bucht an der Küste Panamas, wo 2 Kunahütten mitten im Wasser stehen und rundherum nur Dschungel ist, kein Strand zum Anlanden mit dem Dingi.

Waschen ist doch herrlich

Waschen ist doch herrlich

Wir haben noch nicht mal unseren Anker im Wasser kommt schon ein Kuna im Einbaum auf uns zu gerudert, geht mit seinem schweren dicken Holzeinbaum längsseits, ohne jegliche Rücksicht auf unsere Bootslackierung scheuert sein Boot an unserem Rumpf und fordert von uns 10US$. Hannes diskutiert mit ihm, zeigt ihm das Zertifikat über die bereits bezahlten 80US$ aber er bleibt hart, hat eine Waffe im Einbaum liegen, und erklärt Hannes wenn wir nicht bezahlen, können wir gleich wieder fahren. Hannes ist richtig wütend und gibt ihm unter lautem Gezeter die 10 US$, dann zieht der Kuna-Indianer von dannen. Wir fragen uns wofür wir das Geld bezahlt haben, hier kann man nicht mal an Land gehen und sich irgendetwas anschauen, die Umgebung ist zwar sehr schön, aber Unternehmen können wir da gar nichts. Die Kuna´s wollen nur Geld machen ohne jegliche Gegenleistung, das kann es dann wohl auch nicht sein. Hannes und ich diskutieren über dieses Thema noch lange, da es uns absolut widerstrebt so behandelt zu werden. Da in der Nacht wieder starke Gewitter niedergehen und morgens der Regen noch schwer fällt, bleiben wir noch einen Tag, da wir uns geschworen haben, dieses von Riffen durchzogene Gebiet nur bei guter Sicht und bei Tag zu befahren.

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„Puerto Escosés“

Dann geht es weiter auf die erste Kuna Insel nach „Ustupu“, dort gehen wir vor Anker, und machen das Dingi startklar zur Inselbesichtigung, die Insel ist stark bevölkert und hat außer Kunahütten auch einige aus Ziegel gemauerte Häuser. Ein kolumbianisches Versorgungsschiff liegt am Steg, dort gehen wir an Land, kaum haben wir den Fuß am Steg, kommt schon wieder eine Kunalady und will wiederum 15US$ weil wir ihr Land betreten, jetzt reicht´s uns aber, ich versuche die ganze Sache sachlich anzugehen, die Männer vom Versorgungsschiff helfen mir, die Dame lässt sich abschütteln, und wir starten zum Rundgang, doch wir kommen nicht weit, es läuft und schreit uns ein Mann hinterher. Der kann ein wenig englisch, ich erzähle ihm wieder die ganze Geschichte von dem bereits bezahltem Geld, und dem Versprechen des Officers, dass wir auf keiner Kuna Insel zu zahlen haben, ich rechne ihm auch vor wieviel Geld das in Summe dann ausmachen würde wenn wir auf jeder Insel die wir auf den Weg nach Panama anlaufen wollen die 15US$ zahlen sollen. Er erklärt mir, dass das zwar stimmt ihn aber überhaupt nicht interessiert, da die jeweilige Insel von diesem Geld nichts bekommt, und jede Insel ihren eigenen Oberhäuptling hat und jeder seine eigenen Gesetze beschließt, wir sollen zahlen oder wieder gehen, wir beschließen zu gehen, kaufen wir eben kein Gemüse, trinken kein Bier, das hätte auch alles Geld für den Ort gebracht, dann bekommen sie eben gar kein Geld von uns, wir empfinden es als absolut unverschämt was hier abgeht. Wir bleiben am Ankerplatz wo wir unbehelligt bleiben, genießen noch den Sonnenuntergang und lassen uns das Abendessen schmecken.

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Kuna Dorf Anachucuna

Wir folgen den Bauhaus Charts mit den Tiefenangaben die auch nur zum Teil stimmen, und beschließen an den Insel weiter außen vorbeizufahren, und hoffen so die Riffe besser umgehen zu können. Immer wieder fällt der Wasserspiegel von 23m auf nur 5m Tiefe, ich stehe oft am Bug des Schiffes und schau voraus um eventuelle Korallenblöcke frühzeitig zu erkennen, wir navigieren in der Region Kuna Yala wirklich sehr vorsichtig, da in etwa 40 Schiffe pro Jahr auf ein Riff auflaufen, und wir selbst jetzt schon einige solcher Mahnmale gesehen haben, wir möchten von so einem Schicksal nicht betroffen sein. So steuern wir „Isla Tigre“ an, wir versuchen wieder unser Glück, landen an und warten jetzt geradezu schon auf eine Kunafrau die uns zum Zahlen auffordert, doch siehe da nichts dergleichen passiert, im Gegenteil wir werden zum ersten Mal freundlich begrüßt und willkommen geheißen, kaum zu glauben, das gibt es auch im Kuna Yala Gebiet.

img_5990 img_5980Gleich beim Dingianlegesteg befindet sich ein Gebäude wo der örtliche Bäcker sein Brot bäckt, wir unterhalten uns mit ihm, er spricht englisch, hurra, er erklärt uns den Ort, sagt uns wo wir Wasser bunkern können, wo es ein kleines Lokal gibt, wir kaufen natürlich sofort das wunderbar duftende, frisch gebackene noch heiße Brot, das uns später dann auch noch vorzüglich schmeckt. Wir erkunden das Dorf, sagen freundlich „nuedi“ was hallo heißt und freuen uns wie die Schneekönige endlich mit den Kuna´s in Kontakt zu kommen und ein wenig Einblick in ihr Leben zu bekommen. Die traditionellen Kunahütten bestehen aus rein natürlichen Bauelementen, die Seitenteile und Stützen sind aus Bambusrohren, die mit Kokosfasern verbunden werden, das Dach bilden schichten aus Schilf. Die Kuna´s sind sehr gläubig, haben eine große Versammlungshütte, normalerweise einen Schamanen (Heiler), der Häuptling heißt Sailor. Die Männer sind zumeist mit entweder langen od. kurzen Hosen mit T-Shirt bekleidet also so wie wir, kümmern sich aber überhaupt nicht um das aussehen, sehen daher eher etwas runtergekommen aus, aber die Frauen tragen alle ihre Tracht, die wie schon erwähnt aus der Molabluse, die kunstvoll selbst gestickt und aus vielen verschieden färbigen Stofflagen ausgeschnitten wird, jede Mola ist einzigartig und bilden meistens Träume der Frauen ab. Sie schminken sich auch, was für uns Europäerinnen etwas lustig aussieht, denn sie malen sich die Wangen kreisrund mit roter Farbe an.

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Abendessen mit der Filmcrew

Wir bleiben einige Tage auf der Insel und vereinbaren im kleinen Lokal ein Abendessen, wo wir ein kolumbianisches Filmteam treffen, welches  uns sofort zu ihrem Tisch einlädt. So verbringen wir mit der ganzen Crew einen interessanten lustigen Abend. Die Crew drehte auf der Insel einen Film für den „world food day“. Die Crew bestand aus einer kolumbianischen Studentin die sich sehr für die Umwelt interessierte, 2 Venezulaner die uns viel von Venezuela erzählten und 2 Panamesen, wir diskutierten viel über die derzeitige Lage in Venezuela, sowie über die Umweltmaßnahmen in Europa im Vergleich zu Kolumbien, es liegen weite Welten dazwischen. Vor Anker liegend erlebten wir am frühen Morgen den „collio de Pollo“, das ist eine Gewitterfront die unwahrscheinlich rasch mit ca. 40 kn (ca. 70-80 km/h) Windgeschwindigkeit daher braust und etwa 1 Stunde dauert. Wir beobachteten 2 Sportflugzeuge die vor der Front noch umgedreht haben und an einem nahe gelegenen kleinen Flugplatz Schutz gesucht haben, erst nach der durchgezogenen Front konnten wir die beiden wieder am Himmel beobachten.

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Gewitterfront bei „Isla Tigre“

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Kanadier mit Paddelboot

Ein Kanadier paddelt mit seinem Kajak entlang der Küste Panamas nach Kolumbien und kommt bei uns vorbei, er hat sein Fahrrad mit dem er dann in Kolumbien unterwegs sein wird schon voraus geschickt und paddelt mit seinen wenigen Habseligkeiten bis nach Kolumbien, wow es gibt so viele Möglichkeiten durch die Welt zu reisen, aber völlig allein eine Küste entlang zu paddeln ist schon eine Leistung, erfordert Mut, Durchhaltevermögen, Kraft u. Energie.

Für uns geht es weiter zur nächsten Inselgruppe den „Cocos Cays“, dies sind 4 Inseln die außer einer unbewohnt sind, wir übernachten dort erkunden die unbewohnten Inseln, die bewohnte kleine Insel wollten wir uns auch ansehen, aber kaum hatten wir den Fuß an Land, stand schon eine Kuna-Indianerin zum abkassieren vor uns, wir sagten danke nein, und zogen wieder ab, die spinnen echt die Kuna.

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Hannes im Einbaum, er ist um vieles zu groß, denn die Kuna Indianer sind sehr klein und zart.

Wir haben beobachtet, dass die Inseln wo kaum bis gar kein Tourismus herrscht, alle sehr in ihren Traditionen verhaftet sind, und man als Besucher eher ein Eindringling ist und auch als solcher behandelt wird, je weiter wir Richtung Panama hoch fuhren, umso lockerer wurde die Tradition und wir wurden an den oberen also westlicheren Inseln freundlich behandelt. Es gibt wie immer verschiedenen Seiten des Betrachtens und Erlebens, einerseits hat der Tourismus nicht nur Gutes für die Kuna gebracht, viele von ihnen kiffen oder saufen sich zu, da deren gewohntes Leben durch zu viel Tourismus auseinanderbricht und sie den Halt verlieren, schade um die Menschen, daher verstehe ich nun auch die schroffe abweisende Art der Kuna-Indianer die noch nicht vom Tourismus verseucht wurden, das ist absoluter Selbstschutz der letzten indogenen Bevölkerung.

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Kunainsel

Wir fahren zu den „Hollandes Cays“ wo wir in der sogenannten Swimming Pool Bucht ankern, wunderschönes türkisblaues Wasser, leider hab ich mir schon in Sapzurro den Zehennagel zum Teil runtergerissen, das ganze steht unter Eiter und ich kann nicht schnorcheln, schade schade! Wir kaufen einen Barracuda den wir am Strand zerlegen, ein Kuna kommt mit seinem Einbaum vorbei und sieht uns zu, wir schenken ihm, den Kopf u. Schwanz des Fisches worüber er sich riesig freut, denn seine Frau macht daraus leckere Fischsuppe. Wie jeden Tag haben wir wieder heftige Gewitter, jedesmal fürchten wir um unsere Elektronik aber wie durch ein Wunder blieben wir verschont.

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Mit Plastiksack umhüllter Zeh, um wenigsten ein bisschen das gute Naß genießen zu können.

Weiter geht es nach „Nalunega“ das bedeutet wir haben das Ende der Kuna Inselgruppen erreicht, wir genießen den Abend und möchte ein paar Tage bleiben, doch wie so oft kommt es anders als wir denken, denn am Morgen bläst konstanter Wind aus NE mit 10-15kn, kurzerhand entschließen wir uns diesen guten Wind auszunutzen um die weiteren 40sm bis zur Green Turtle Cay Marina zu segeln. Gleich nach dem Frühstück brechen wir daher auf, Motoren noch um das Riff rum und setzen segeln, einfach herrlich, wir können die ganze Etappe bei gutem Wind segeln, der Meeresgott bleibt uns hold und prompt haben wir seit langem einen Fisch an der Angel den wir sogleich an Board hieven.

Mahnmal bei der Einfahrt zur "Green Turtle Cay Marina"

Mahnmal bei der Einfahrt zur „Green Turtle Cay Marina“

Bei der Einfahrt zur Marina, begrüßen uns links und rechts große Riffe wobei an der Backboardseite wiederum ein Mahnmal am Riff liegt, ein Segelboot das die Einfahrt nicht geschafft hat, ist schon gruselig. Nach einer ausgiebigen Dusche in der Marina genießen wir den Abend, hören die Brandung des Meeres die hinter dem Riff auf Land trifft und freuen uns sehr über diesen perfekten Segeltag der hinter uns liegt. Frühmorgens tanken wir noch das Wasser auf, und fahren weiter in die Linton Bay.