Las Perlas

Nachdem wir einen neuen Windgenerator installiert und die Kontakte des Kühlschranks geputzt hatten (was zerlegen u. wieder zusammenbauen der gesamten Küche beinhaltete), sowie Proviant für 14 Tage eingekauft war, ging es los Richtung Las Perlas. Das ist eine Inselgruppe auf der Pazifikseite von Panama. Erste von uns angesteuerte Insel war Taboga, die nur rund 1 Fahrstunde von Panama City entfernt liegt. Diese kleine Insel ist eines der Naherholungsgebiete der Panamesen und wird speziell am WE stark von Touristen frequentiert. Diese werden mit der täglich, stündlich verkehrenden Fähre gebracht und wieder abgeholt. Für uns Segler gibt es 2 Ankerplätze bei Südwind eine schöne Bucht auf der Nordseite der Insel, bei Nordwind auf der Südostseite, hier sind super komfortable günstige Bojen angebracht, die wir auch gerne nutzen. Einige Segler lassen ihr Boot hier auch für ein paar Monate hängen und nutzen das für einen Flug nach Hause. Die Insel selbst ist eine blühende grüne Oase, alles sehr klein, keine Straßen im herkömmlichen Sinn, sondern nur sehr schmale betonierte Wege, wo gerade mal ein Golfcar fahren kann, welche hier auch durch die Gegend fahren. Es gibt 2 schöne Strände, sowie einige Lokale wo man kühles Bier und guten Fisch genießen kann. Weiters kann man auf einen Berg wandern, wo sich ein Gipfelkreuz befindet und man die Insel überblicken kann, auch sieht man von da aus das vorgelagerte Ankerfeld der Großschifffahrt und dahinter die City mit ihrer sehr atemberaubenden Skyline. Natürlich unternehmen wir diese Wanderung, was bedeutet, bei der schwülen Hitze einiges an Wasser zu verlieren, aber es lohnt sich auf jeden Fall. Der Ort ist sehr überschaubar, im Herzen befindet sich die einzige Kirche die der heiligen Regina geweiht ist, die offensichtlich hier sehr verehrt wird, da wir auch noch eine Art Kapelle am Weg finden, wo dran steht „Salve Regina“. Der Rest der Insel ist militärisches Sperrgebiet, für uns war es eine nette Abwechslung zur doch sehr hektischen, lauten Großstadt und Einstimmung auf die weitere Inselwelt der Las Perlas.

Nächster Step für uns die ca. 35 sm (63 km) entfernte Insel Contadora. Wir starten früh morgens, da wir noch gerne bei Tageslicht dort ankommen wollen um die Ankerplatzsituation besser einschätzen zu können. Kaum dass wir losfuhren, hängen wir auch schon unsere 2 Schleppangeln raus, und prompt beißt an jeder Angel ein Fisch, also Speed aus dem Boot, Schnur einholen, Fisch mit Alkohol betäuben an Board hieven, schön einer nach dem Anderen, dann geht die Fahrt weiter, wobei wir beschäftigt sind mit Fisch zerlegen und einkühlen, die Angel wird nicht mehr ausgebracht, Fisch genug für die nächsten Tage.  In diesen Gewässern ist es sehr Fischreich, oft sehen wir während der Fahrt wie das Wasser geradezu brodelt und kocht. Die Fische springen oft 1 Meter hoch aus dem Wasser echt ein Schauspiel. Delfine begleiten uns wieder mal, immer wieder wunderschön zu beobachten, diese majestätischen Tiere. So wird uns nicht langweilig und im Nu sind wir bei der Insel Contadora angelangt, hier gibt es mehrere Ankerplätze je nach Windrichtung sucht man sich eben den geschütztesten aus. Wir entscheiden uns an diesem Tag für den Nordöstlichen Ankerplatz, denn der Wind kommt aus WNW, somit liegen wir recht ruhig. Die Kulisse die uns von der Natur geboten wird, ist traumhaft, da wir hier ca. 4,5Meter Tidenhub haben, tauchen bei Ebbe ganze Landschaften auf, die bei Flut versteckt sind, da mit Wasser völlig bedeckt. Für uns das erste Mal, dass wir den Tidenunterschied so stark und kontrastreich erleben dürfen. Gleich packen wir das Dingi ins Wasser, denn es juckt uns unheimlich die Insel zu erkunden. Vorsichtig fahren wir Richtung Strand, da wir Ebbe haben und der Wasserstand niedrig ist, plötzlich taucht vor uns ein Schatten auf, wir erkennen einen Rochen und gleich daneben noch einen, die lautlos durch das Wasser gleiten. Am Strand angekommen, müssen wir das Dingi einige Meter an das Ufer hinaus ziehen, da es sonst mit der steigenden Flug fortgeschwemmt würde. Am Strand liegt eine alte Fähre die dort auf Grund gelaufen ist, und vor sich hin rostet. Daneben lässt sich gerade ein Versorgungsschiff trocken fallen, die Heckklappe wird auf den Strand runtergelassen, ähnlich wie bei einem LKW die Ladeboardwand, dann werden Metallfahrgitter ausgebracht, und schon geht das Be- u. Entladen des Schiffes los. Denn nur bei Ebbe können die Autos auf den Strand fahren und direkt vom Schiff die Waren entladen. Nach getaner Arbeit warten die Seeleute auf die steigende Flut, bis die Motoren im Wasser sind, und die Hälfte des Unterwasserschiffes aufschwimmt, dann wird wieder abgefahren, der ganze Spuk ist vorbei und es kehrt am Strand wieder Ruhe ein. Gleich hinter dem Strand liegt eine längst verfallene große Hotelanlage, diese wurde fix fertig errichtet, doch die Bewohner der Insel wehrten sich gegen die Eröffnung erfolgreich, so ging die einst tolle Anlage die mit viel Geld errichtet wurde niemals in Betrieb und wurde dem Verfall preisgegeben. Wir sehen uns alles an, inspizieren die Hotelzimmer, den Hotelpool, die Bar usw. alles noch erkennbar aber eben schon sehr verfallen. Wir staunen nicht schlecht als sich sogar ein Rehbock zeigt, mitten vor der Hotelanlage, kaum zu glauben, wo der herkommt, die Natur ist schon erstaunlich. Wir setzen unsere Wanderung fort, indem wir der kleinen Straße folgen die von der Anlage wegführt, einem kleinen Berg hoch, erreichen wir den örtlichen kleinen Flughafen. Kommen schließlich zum nächsten Strand wo auch die Fähre anlandet, es gibt ein paar kleine Supermärkte, mit den nötigsten Waren, aber alles unwahrscheinlich teuer. Einige Straßen verlaufen quer über die Insel, aber es ist sehr wenig Verkehr, wir spazieren weiter und gelangen an den Südöstlich gelegenen Strand, wo natürlich auch das Wasser stark zurückgegangen ist, wir nützen diesem Umstand zu unserem Vorteil und unternehmen eine Wanderung, auf der Unterwasserwelt. Es ist eine wunderschöne, felsige, bizarre Landschaft. Die Felsformationen sind so unwahrscheinlich vielfältig, auch immer wieder unterbrochen mit Sand, vielen Höhenunterschieden, und eine Unmenge an Kleingetier (wie z.B.: Krebse, Muscheln, Sandflöhe, Wasserschnecken). So können wir beinahe die Insel umrunden, immer wieder schauen wir auf die Uhr wie viel Zeit uns noch bleibt bevor das Wasser soweit steigt, dass wir nicht von der Flut eingeschlossen werden. Es liegen immer ca. 6 Stunden zwischen Ebbe und Flut, doch sobald die Flut einsetzt kann man zusehen wie schnell der Wasserspiegel wieder steigt. Bei unserer Erkundungstour entdecken wir ein Haus mit einem Wegweiser, auf dem steht, „Austria 9565 km“, eine Putzfrau reinigt gerade die Stiege, wir erkundigen uns nach dem Besitzer des Hauses, er ist tatsächlich Österreicher aber leider gerade nicht da. Schade wäre nett gewesen mit ihm zu plaudern. Contadora ist eine Ferieninsel die vor allem von den einheimischen Touristen genutzt wird. Wir genießen die Athmosphäre und das tägliche Naturschauspiel noch ein paar Tage.

Dann brechen wir auf zur Insel Viveros, ca. 15sm weiter, eine weitere kleine Insel, sehr grün, mit einigen Sandstränden und unwahrscheinlich viel Fisch, am Ankerplatz den wir wieder für uns allein haben. Hier tummeln sich ganze Fischschwärme direkt neben unserem Boot. Auf den Las Perlas, treffen wir beinahe keine Segler an, die meiste Zeit sind wir allein unterwegs, die Ankerplätze leer und absolut ruhig. Ich freue mich noch über die gemeinsame verbleibende Zeit mit Robin, die ich sehr bewusst erlebe, denn seine Abreise naht mit riesen Schritten. Nach Viveros fahren wir nach Pedro Gonzales, diese Insel hat sogar eine absolut neue private Marina, und einen kleinen Ort. Wir erkunden das nette Fischerdorf, und machen auf der dahinterliegenden Schotterstraße erste kleine Spaziergänge. Hannes und ich wollen, den darauffolgenden Tag eine Wanderung machen, Robin bleibt am Boot und genießt seine freie Zeit. Wir starten also los durch den Ort führt unser Weg auf die Schotterpiste, wie am Vortag, wir folgen der Piste ca. 1 Stunde lang, wo wir zuerst mal die Militärstation passieren, wo wir freundlich grüßen und weitermarschieren, keiner hält uns auf, dann sehen wir einen LKW-Fahrer der sich abmüht, den mit Sträuchern, Wurzeln u. Geäst vollbeladenen LKW zu entladen, wieder grüßen wir freundlich, dann nach weiteren 500Metern, ein Motorengeräusch hinter uns, ein Auto nähert sich. Wir gehen an den Straßenrand damit das Auto passieren kann, doch weit gefehlt, denn das Auto stopp bei uns, raus hüpfen 2 Uniformierte Herren, die uns in spanisch ansprechen und wild gestikulieren, wir verstehen nur Bahnhof, aber irgendwie wollen die nicht, dass wir weitergehen, wir erklären ihnen, dass wir nur englisch sprechen, woraufhin einer der Uniformierten sich ein wenig beruhigt und uns in sehr gebrochenem Englisch erklärt, dass die gesamte Insel in Privatbesitz ist und wir hier unbefugt durch die Gegend spazieren und das verboten sei. Wir werden zwar höflich aber unmissverständlich darauf hingewiesen, jetzt sofort in das Auto zu steigen, was wir auch sehr verdutzt machen. Wir werden zum Fischerdorf zurückgefahren, dort noch Fotografiert und dann rausgelassen. Ist schon ein sehr beängstigendes, ungutes, und seltsames Gefühl für uns so eskortiert zu werden und so seiner ganz persönlichen Freiheit sowie unseres Aktionsradius beraubt zu werden. Die Uniformierten warten noch bei laufendem Motor ab bis wir im Dorf verschwinden, also wieder raus auf die Schotterpiste und die andere Richtung zu laufen ist auch nicht angesagt, somit ist unser ambitionierter Spaziergang definitiv beendet.

Im Ort erkundigen wir uns nach einer Person die englisch spricht, prompt werden wir von einem netten Dorfbewohner zu einer Dame gebracht. Wir fragen sie was da auf der Insel los ist, sie erklärt uns, dass das stimmt, die gesamte Insel wurde von der Regierung Panamas an einen privaten Investor verkauft, der hier ein großes Ferienprojekt plant. Die Dorfbewohner werden geduldet, haben aber praktisch außerhalb des Dorfes nichts zu suchen. Als die Insel verkauft wurde, haben sich die Dorfbewohner zwar zu wehren versucht, es kam zu Kämpfen und die beteiligten wurden kurzerhand ins Gefängnis gebracht und nicht wieder freigelassen, ja so geht das in diesem Land, Geld regiert, den Dorfbewohnern bleibt nur der nahe gelegene Strand und ein paar wenige landwirtschaftlich genutzte Felder zum Leben, schon eine riesen Sauerei was da passiert. Wir bleiben trotzdem noch ein paar Tage vor Anker da uns die Naturkulisse unwahrscheinlich gut gefällt, wir machten am Strand bei Ebbe unsere Wanderungen, so konnten wir die Insel trotzdem noch etwas erkunden. Wir wollten weiter zur Insel Mogo Mogo, dazu starteten wir nach dem Frühstück, das Wetter sah nach Regen aus, und tatsächlich, kaum war der Anker geborgen, ging es auch schon los, es schüttete was der Himmel herzugeben hatte, wir konnten die umliegenden Insel alle nicht mehr erkennen, das sich Nebel gebildet hatte, also navigierten wir vorsichtig aus der Bucht und weiter hoch in Richtung unseres Zieles. Segel konnten wir nicht, da trotz der Regensqualls die immer wieder durchrauschten, nur wenig bis gar keinen Wind hatten. Die Strömung war wenigsten mit uns, so schob sie uns mit 1,8kn an. Das Universum hat ein Einsehen und belohnt uns mit einem fetten Fisch, den wir an der Schleppangel haben. Wir erreichten die Insel dann mittags, wobei es unterwegs dann doch noch aufgelockert hatte, und der Nebel verschwunden war, so konnten wir bei strahlendem Sonnenschein unser Ankermanöver fahren. Zwischen den Inseln Chapera u. Mogo Mogo ist es ruhig zum Ankern, keine Segelboote, nur ein paar wenige Motorboote mit zahlenden Gästen, die ihre Crew an Land zum Baden absetzt, nachmittags wieder einsammelt und den Ankerplatz wieder verlässt, also hatten wir immer einen ruhigen Abend sowie Nacht. Wir verbrachten 2 Tage dort, gingen schwimmen, und sammelten rosarote Muscheln, die zu hunderten am Strand angespült werden.     Dann Aufbruch zur Insel Casaya, eine weitere kleine Insel wo sich ein privater Flugplatz befindet, und ein sehr kleines Fischerdörfchen. In einer kleinen Bucht gehen wir an Land und wandern zum Flugplatz, dann weiter zum Dörfchen. Auch diese Insel, wie viele andere auf den Las Perlas, ist zum großen Teil im privaten Besitz, aber wir können unbehelligt die Insel erkunden. Hier ging die Reise durch die Perlas fürs erste zu Ende, da wir wieder nach Panama City zurück müssen, weil unsere Visa zum Verlängern sind, dazu müssen wir uns bei den Behörden einfinden.

Aber vorerst fahren wir noch ein kleine Stück, ankern noch für eine Nacht an der Insel Pachequilla die wiederum in Privatbesitz war, aber sogar einen Hubschrauberlandeplatz hatte, auch konnten wir dort auf ein wlan zugreifen, das schnell und frei war. Tags drauf die letzte Etappe ca. 35sm hoch nach Las Brisas zum Ankerplatz vor Panama City. Bei der Fahrt fingen wir wieder Fisch, die wie wild überall rund um uns sprangen, aus dem bereitete Hannes Fischspeck zu, hmmm sehr lecker. Beim Einlaufen in die Ankerbucht tankten wir das Schiff noch auf in der Marina Flamenco, dazu meldeten wir uns auf Funkkanal 10 an, mussten eine Stunde warten, da der Platz gerade voll war. Dann wurden wir angefunkt, dass wir einfahren können, Hannes ging längsseits an der Tankstelle, gleich hingen wir den Wasserschlauch sowie den Dieselschlauch in unsere Tankeinlässe. Wir wollten 15 Gallonen tanken, der Tankwart stellte die gewünscht Menge an der Tankuhr ein, dann floss das kostbare Naß, ich prüfte die Tankuhr doch der Zeiger bewegte sich eigenartigerweise nicht. Woraufhin Hannes zum Tankwart sagte, mehr Diesel, also tanken wir in Summe 25 Gallonen, alles sehr sehr komisch. Hannes geht bezahlen, währenddessen sehe ich mir nochmals die Tankuhr an und bemerke, dass der Tankwart nur 2,5 Gallonen eingestellt hatte, deswegen hat sich also die Tankuhr nicht gerührt, Hannes kommt zurück und sagte gleich zu mir, irgendwas ist faul hier, er hatte die vom Tankwart angegebenen 25 Gallonen bezahlt, aber getankt hatten wir eben nur tatsächlich nur 2,5. Also reklamierten wir beim Tankwart, der glaubt uns das nicht, er meinte er hat alles richtig eingestellt, erst als wir einen Kanister holen in den 3 Gallonen Diesel passen und diese Menge reintankten sieht er seinen Irrtum ein. Danach können wir richtig tanken, und siehe da der Zeiger der Tankuhr bewegt sich doch. Das wäre ein teurer Diesel gewesen, ist schon komisch ein Tankwart der seine Tanksäule nicht bedienen kann, auch den Wassertank füllten wir auf, wobei er hier genauso einen Fehler machte, unser Tank fasst 450lt. Wasser, er hat uns nur 100 verrechnet, also haben wir für 450lt. nur 1 US$ bezahlt, ja das hat uns sehr gefreut wir haben es dabei belassen, wie sollen wir ihm das nun wieder erklären, würde wahrscheinlich Stunden dauern. Also alles wieder aufgefüllt nach einer Stunde sind wir dann endlich am Ankerplatz und können frisches Fischfilet genießen.