Schwarzes Gold, die Perlen von Gambier

Meine Perlen

geöffnete Auster

glücklicher Muschelfleischbesitzer

Gleich nach dem Frühstück tasten wir uns mit dem Dingi durch den Korallengarten vorbei am falschen Pass und rein zur Perlenfarm die direkt am Wasser liegt. Die Perlenfarm wird von einem Chinesen Namens „Eric“ betrieben, er empfängt uns sehr freundlich, und begleitet uns mit seinem Motorboot zum kleinen Bootssteg. Zwei Hunde knurren uns zähnefletschend entgegen, wir trauen uns erst an den Steg ran als Eric den beiden Hunden, den Befehl gibt ruhig zu sein. Nur wiederwillig lassen uns die Zwei dann auf den Steg, aber nach einer Weile beruhigen sie sich doch, und wir können ungehindert zur Perlenfarm marschieren. Hinter dem Steg liegt sozusagen das Produktionsgebäude der Perlen. Eric gibt uns eine Führung und erklärt uns die Arbeitsschritte die nötig sind, um Perlen züchten zu können. Die mit einem Nukleus versehenen Austern werden an Kunststoffnetzen befestigt, an denen wiederum wird eine Boje angebracht und so dann ins Wasser versenkt, die Boje schwimmt auf, so können dann die Muscheln zur Ernte wieder aus dem Wasser gezogen werden. Die Muscheln benötigen einige Zeit um den Nukleus mit der Perlmuttschicht umschließen zu können, wozu die Austern ihren natürlichen Lebensraum das nährstoffhaltige Wasser benötigen. Das Einsetzen des Nukleus wird in der kleinen Produktionsstätte gemacht. Dazu werden zuerst die Austern aus dem Wasser gezogen, vom Kunststoffnetz getrennt, in einer Kiste gesammelt und zur kleinen Halle gebracht. In der Halle sind vier Arbeitsplätze stationiert, wo jeweils 1 Arbeitstisch mit einer Halterung zum Einklemmen der Muscheln steht. Am Tisch befinden sich in kleinen Wasserschalen die vorbereiteten in unterschiedlicher Größe gehaltenen Rohnuklien. Die vier Angestellten, allesamt aus China, müssen viel Geduld, Geschick sowie ein gutes Auge haben. Es sind Spezialisten die jeweils 1 Jahr in Gambier bleiben dann wieder nach China zurückkehren. Die Auster wird leicht geöffnet, mittels kleinen Keilen in dieser Stellung gehalten, dann in einer speziellen Halterung eingeklemmt. Nun kommt der heikle Arbeitsschritt, das Einbringen des Nukleus in die Auster bzw. das Entnehmen der bereits fertigen Perle. Dazu haben die Arbeiter spezielle Werkzeuge, sieht ein wenig aus wie beim Zahnarzt, mit denen sie die Perle aus der Muschel vorsichtig entnehmen um diese nicht zu verletzen. Mit der Perle und dem neu einzusetzenden Nukleus wird ein Größenabgleich gemacht, das geht alles sehr schnell, denn das geschulte Auge des Spezialisten hat blitzschnell die passende Größe gefunden und schon wird der neue Fremdkörper in der Muschel platziert, die Keile entfernt, die Auster schließt sich wieder und schon kann es für die Auster zurück ins Wasser gehen. Das ganze dauert nur wenige Augenblicke und ist beinahe Fließbandarbeit. Eric erklärt uns auch, dass die Rohlinge der Perle aus der Muschelschale vom Mississippi hergestellt werden. Dazu werden die Schalen gewaschen nach China exportiert, dort poliert in Quader geschnitten, und schlussendlich zu kleinen Kugeln geschliffen dann nach Gambier gesendet wo sie schließlich in der Auster ihren Platz finden. Der hauptabnehmende Markt der Perlen ist wiederum China, wo die besonders dunkel schwarz-grünlich schimmernden Runden kleinen ebenmäßigen Kostbarkeiten einen guten Preis erzielen. Die Größe, die Färbung und natürlich je makelloser die Perle ist umso teurer wird diese am Markt gehandelt. Die Perlenproduktion ist für die Einwohner Gambiers die Haupteinnahmequelle, und soweit wir das Anhand der hier wohlhabenden Leute beobachten können, ein sehr einträgliches Geschäft. Auch das Fleisch der Auster wird verkauft. Ich kaufe 12 Perlen in unterschiedlichen Größen und Färbung, allesamt nicht makellos, mir gefallen sie trotzdem, der Preis hält sich mit 30€ für mich auch in Grenzen, wir können sogar noch Muschelfleisch erstehen.  Eric erklärt uns auch wie wir es zubereiten sollen damit wir den vollen Geschmack der Auster auskosten können. Ich bereite am Abend gleich Austercarpaccio zu, das auf feinst geschnittenem Kraut angerichtet wird, dazu gibt es Knoblauchbrötchen, einfach himmlisch.