Tuamotus Islands – Atoll Amanu

Wir verholten uns mit der Blue Lilly an die Westseite von der Insel Taravai (Gambier) in die Bucht Anganui, wo wir noch einen letzten wunderschönen Sonnenuntergang beobachten konnten. Frühmorgens segelten wir los in Richtung Tuamotu Islands zu einem kleineren Atoll Amanu. Die Tuamotus sind eine Ansammlung voneinander unabhängigen Atollen mitten im Südpazifik, deren Größe u. Ausdehnung stark variiert. In manchen Atollen kann man mit dem Schiff nicht einfahren, da diese keinen Pass zum Einfahren haben. Ein Pass ist eine Stelle im Riffsaum wo das Riff unterbrochen ist, und das Wasser in die Lagune ein und ausfließen kann. Die Pässe sind je nach Atoll unterschiedlich tief, breit und lang. Es treten durch ihre Trichterwirkung mitunter sehr starke Strömungen auf. So muß man beim Einfahren in ein Atoll sehr gut achtgeben und beobachten ob das Wasser in die Lagune ein od. gerade rausfließt, denn zum Einfahren in die Lagune wäre praktisch und sicherer wenn das Wasser so wenig wie möglich an Fließgeschwindigkeit aufweist, das heißt wenn das Wasser in der Lagune nahezu denselben Höchst o. Niedrigstand wie der Pazifik rundherum hat, dann ist die beste Zeit zum befahren des Passes. Denn sonst hat man entweder zuviel Strömung gegen das Schiff oder zuviel mit, sodass das Wasser mit dem Schiff macht was es will, und die Maschine des Schiffes nicht soviel Power aufweist um diesen Naturgewalten etwas entgegensetzten zu können. So wird man zum Spielball der Natur und könnte mit dem Boot auf das Riff getrieben werden was das Ende bedeuten würde. Wir hatten eine recht schnelle Fahrt nach Amanu da uns eine Front erwischte die uns Windgeschwindigkeiten mit 45 Knoten (ca. 90km/h) brachte,  so konnten wir die 585sm in 4 Tagen hinter uns bringen und warteten dann noch vor der Passeinfahrt auf die richtige Zeit zum Einfahren in das Atoll. Da uns unsere Erste Atollpassage bevorstand waren wir beide dementsprechend nervös. Vor uns war noch Rik mit seiner SY Masquenada der als erster in den Pass bei vermeintlich guten Bedingungen in den Pass einfuhr. Wir konnten beobachten wie es die Masquenada mit der Strömung hin und herschob, das Schiff war zwar sehr langsam aber er kam voran, also doch recht starke Gegenströmung. Wir entschieden wenn Rik mit seinem nicht so leistungsstarken Motor durchkommt, dann können wir auch ohne Probleme einfahren. Wir starteten auch den Motor und begannen mit der Passage, am Beginn gings auch noch ganz gut, doch plötzlich riechen wir starke Auspuffgase, wir sehen nach aber der Geruch kommt nicht von unserem Motor, dann sehen wir auch schon wie Rik vor uns immer langsamer wird und wir dadurch in Zugzwang kommen und auch unseren Speed stark reduzieren müßen um nicht auf die Masquenada aufzufahren, was zur Folge hat, dass wir mit Nullspeed nur noch zwischen den beiden Riffkanten im Zick-Zack hin und hergeschoben werden und Hannes hat zu tun, die Blue Lilly in der Mitte zu halten damit wir nicht ans Riff knallen. Dann endlich nach 20 Minuten sehen wir, dass das kleine Boot vor uns wieder Fahrt aufnimmt und endlich durch die Riffpassage durch ist, also geben wir Gas und surfen durch den Pass in die Lagune rein. Wir hatten 5 Knoten Gegenströmung unser Motor macht bei Vollbelastung max. 7 Knoten Fahrt also recht viel Spielraum hatten wir nicht mehr. Sobald man in der Lagune drin ist, ist das Wasser ruhig und von der gefährlichen Passage bleibt nur noch die Erinnerung. Rik gibt einen Hilferuf via Funkspruch durch, er ist Manövrierunfähig sein Motor hat sich bei der Riffpassage überhitzt und ist ausgefallen. Er kann aber bis zum Ankerplatz segeln und so zum Glück noch vor Anker gehen. Wir haben somit wieder mal einiges dazugelernt, bei der nächsten Riffpassage werden wir das Wasser länger beobachten ob es ruhig ist oder noch recht rauh, und wir werden nur noch allein in einen Pass einfahren, damit wir genügend Spielraum für unser Schiff haben um nicht durch andere dann selbst in Not zu kommen.

Amanu selbst ist ein kleineres Atoll eher am östlichen Außenbereich der Tuamotus. Nachdem wir unseren Anker gut eingefahren haben, können wir uns auf einen ersten Erkundungsgang machen. Dazu lassen wir das Dingi zu Wasser und rudern über den Riffgürtel der nur ca. einen halben Meter mit Wasser überspült ist an Land. Amanu hat ein kleines Dorf das direkt an der Riffeinfahrt liegt, es ist recht beschaulich und besteht nur aus ein paar Häusern. Sonst besteht das Atoll nur aus dem Riffgürtel der zum Teil mit Kokospalmen bewachsen ist. Die ca. 300-500 mtr. breite Landmasse ist immer wieder unterbrochen mit Wasser überspült und sozusagen eingerahmt mit dem vorgelagerten Riff. In der Mitte der Lagune befindet sich ein kleines Sternriff wo man auch in Sandgrund vor Anker gehen kann, von unteren Ende bis zum oberen Ende des Atolles sind es 16sm. Die ganze Lagune ist mit Korallenköpfen gespickt, daher ist vorsichtiges Manövrieren angesagt. Wir machen einige Spaziergänge und beobachten die Kokoskrabben die eine  beachtliche Größe haben. Die Krabben die wir gesehen haben, hatten eine Körperdurchmesser von ca. 10-15cm, die brauchen schon etliche Jahre um so groß zu werden. Sie sind unglaublich schnell und verschwinden bei jeglicher Bewegung unsererseits augenblicklich in ihr Erdloch. Der ganze Boden ist übersäht mit diesen Löcher. Die Unterwasserwelt ist beachtlich, viele verschiedene Fische können wir beobachten doch die Korallen sind leider zum großen Teil abgestorben, das Wasser ist jedoch sauber und kristallklar.  Zu unserer Verwunderung trudeln nach und nach Schiffe in der Lagune ein, so sind wir dann insgesamt 10 Boote vor Anker, immer wieder wird die Riffpassage und der richtige Zeitpunkt zum Einfahren in den Pass bei den Gesprächen heftig diskutiert, keiner hat so das passende Rezept um herauszufinden wann und wie der perfekte Zeitpunkt zu eroieren ist. Es bleibt der gemeinsame Tenor, abwarten, beobachten und erst dann Fahren wenn das Wasser ruhig wird.  Der Bürgermeister von Amanu ist auch sehr überrascht von der plötzlichen hohen Anzahl der Boote in seinem Atoll, normalerweise sind es nur bis zu 7 Boote pro Saison. Er beschließt kurzerhand alle Cruiser zu einem Mittagessen einzuladen. Alle Segler treffen sich mittags am großen Dorfplatz, es wird schon fleißig Fisch gegrillt. Die Dorffrauen haben im Versammlungssaal ein Bankett hergerichtet, wir bringen alle Nachtisch mit. Nach einer hochoffiziellen Ansprache des recht jungen Bürgermeisters und einem kurzen Gebet durften wir uns über den Fisch hermachen, als Beilage gab es Nockerl mit Kokossoße, echt lecker. Das 27 Jahre junge Oberhaupt von Amanu erzählt und erläutert uns die Geschichte Amanus, wir können alle uns unter den Nägeln brennenden Fragen an ihn richten, ein Lehrer übersetzt alles vom Französichen ins Englische und umgekehrt. Der Bürgermeister nimmt sich den ganzen Nachmittag Zeit für uns und führt uns durch den kleinen Ort. Wir besichtigen ein Muschelmuseum, das neu errichtete mit allen technischen Schnick-Schnack versehene, zyklonsicher gebaute Zufluchtszentrum, das als Krankenstation u. Amtsgebäude genutzt wird und seiner Eröffnung entgegen sieht. Danach geht es weiter zur Energiestation des Ortes, diese wird mit Solar betrieben, im Inneren des Gebäudes befinden sich eine Unmenge von AGM-Batterien, und jeder männliche Seglerkapitän ist schwer beeindruckt. Es ist schon sehr beachtlich was dieser junge Mensch schon alles für sein Dorf bewirkt hat und wir Segler sind überwältigt von der Gastfreundschaft.

Wir genießen noch die Landschaft sowie die verschiedenen Lichteffekte im türkisblauen Wasser und beschließen wieder weiter zu fahren, denn wir wollen noch weiter hoch in den Norden zu den Marquesas Inseln und die Tuamotus später nochmal besuchen. Wir wollen das gute Wetterfenster nutzen und gehen Vormittags Anker auf, parken uns vor die Riffausfahrt und beobachten das Wasser, warten auf den richtigen Zeitpunkt den Pass zu befahren. Gegen Mittag wird das Wasser in der Passage immer ruhiger, wir starten den Motor und fahren bei wenig Strömung und ohne Probleme durch den Pass, setzen Segel und starten zum Trip nach „Fatu Hiva“.