Palmerston

In Palmerston funkt man auf Kanal 16 entweder „Alpha Glof Bob“ oder „Palmerston Yachtclub Bill“ oder „Palmerston Radio Edward“ an, es kommt dann der mit dem man am Funk gesprochen hatte, raus zur Mooring und hilft beim Aufnehmen dieser und macht auch gleichzeitig die Betreuung auf der Insel während der gesamten Aufenthaltsdauer. Bob, Bill und Edward sind jeweils das Oberhaupt der 3 Familien die auf der Insel leben. Die Insel liegt im südlichen Teil von den Cookinseln ca. 650km nordwestlich von Rarotonga der Hauptinsel, von dieser wird Palmerston auch verwaltet. In den Jahren 1860 kam die Insel in Besitz eines britischen Kaufmannes der wiederum einen Schiffszimmermann Namens „William Masters“ nach Palmerston entsandte, um auf der Insel Kokosöl zu produzieren. „Masters“ kam mit 3 polynesischen Frauen auf die Insel und wurde im Laufe der Jahre zum Verwalter der Insel. 1954 wurde die Insel zum Eigentum der Familie Masters die sich in „Marsters“ umbenannt hatte. Noch heute wird Palmerston Island von den Nachfahren Masters mit seinen 3 Frauen bewohnt, daher gibt es immer noch 3 getrennt lebende Familien. Die kleine Insel ist in 3 gleiche Teile aufgeteilt worden. Jede Familie trägt für deren Mitglieder die Verantwortung bzw. hat dafür Sorge zu tragen, dass alle ihr Auskommen haben. Viele der Familienmitglieder leben heute in Rarotonga einige in Australien und Neuseeland.

Zur Zeit leben nur noch 51 Personen in Palmerston Island. Früher wurde Kopra geerntet doch das rechnet sich nicht mehr. Heute leben die Familien vom Fischfang. Sie fangen überwiegend Papageienfisch den sie filetieren und portionsweise einfrieren, der so verpackte Fisch wird vorwiegend an die Hotels in Rarotonga verkauft. In den 1920iger u. 1930iger Jahren wurde Palmerston von Wirbelstürmen stark verwüstet, dies ist auch die einzig große Gefahr auf der Insel.

Wir selbst erlebten eine Tsumaniwarnung auf Palmerston Island. Um 3.00Uhr nachts hörte ich plötzlich jemanden rufen, es war Bill der mit seinem Boot zu uns rausgefahren kam und alle Segler aufweckte, (keiner von uns hatte den Funk an) denn Palmerston hatte eine aktuelle Tsunamiwarnung bekommen. Alle Segler waren in Aufruhr und über Funk wurde besprochen was zu tun sei. Der Tsunami wurde sehr genau vorhergesagt, die Uhrzeit und Höhe der zu erwartenden Welle, verursacht durch ein Seebeben in Mexiko. Wir entschieden uns von der Mooring wegzugehen und ein paar sm ins offene Meer rauszufahren. Die Welle war nicht hoch angesagt, wir wollten aber auf der sicheren Seite sein. Draußen warteten wir auf die für 06.15Uhr vorhergesagte Tsunamiwelle. Wir hatten diese dann nur ein wenig bemerkt, nur 5 min. nach der vorhergesagten Zeit traf diese ein. Also wirklich super genau, danach machten wir wieder an der Mooring fest, wo wir im herrlichen Sonnenaufgang unser Frühstück genossen. Auch die Einwohner der Insel waren wach, denn würde eine wirklich hohe Flutwelle auf die nur durch das umliegende Riff ansonsten ungeschützte Insel treffen, wäre die Sicherheit der Inselbewohner nicht mehr gewährleistet, jeder war in Alarmbereitschaft, große Erleichterung bei allen nach der Entwarnung.

Unsere Hosting-Familie war Bob´s Familie, herzlich und sehr freundlich werden wir in seine Familie aufgenommen. Alle Inselbewohner von Palmerston geben uns das Gefühl wirklich willkommen zu sein. Wir konnten ihn zu jeder Zeit anfunken, er brachte uns an Land und wieder zurück. Mit dem eigenen Dingi an Land zu fahren ist verboten. Es wird für den Bring-dienst nichts verrechnet. Die Mooring kostet 10 NZ$, die Einklarierungsgebühren betrugen für uns in Summe 90NZ$. Das eingenommene Geld verbleibt auf der Insel und wird auch dringend benötigt. Gleich bei der Ankunft wurden wir zum Lunch eingeladen, die Einladung nahmen wir dankend an. An Land gab es ein umfangreiches köstliches Mittagessen, bestehend aus Fisch, Hühnchen, Reis, Papaya und Bananen. Wir brachten natürlich auch einiges mit, es wird angefangen von Reis, Mehl, Dosengemüse über Benzin, Haushaltswaren, Werkzeug einfach alles benötigt. Es wird nichts erwartet aber die Leute freuen sich sehr über die mitgebrachten Dinge. Danach bekamen wir von Bob eine Inselführung, bei der er uns einiges über die Geschichte und Bräuche der Insel berichtete. Wir besichtigten das älteste Haus der Insel, das erbaut wurde aus dicken Eichenbohlen. Diese stammten aus einem gestrandetem Frachter, der bestimmt war für eine Goldmine in Australien. Dies war auch das einzige Gebäude das den Wirbelsturm überstanden hat, alles andere wurde vom Wind weggefegt. Auch das Grab von William Masters befindet sich immer noch in gutem Zustand auf der Insel. Jede Familie hat einen eigenen Friedhof, die kleine Krankenstation, die Kirche, die Schule und die durch eine große Solaranlage gewonnene Energie werden gemeinsam genutzt. Überhaupt wird auf Palmerston sehr wirtschaftlich und Umweltbewusst gedacht und gelebt, nichts wird verschwendet. Ein kleines Beispiel, das Spülwasser des Geschirrs wird nicht einfach weggegossen, damit werden gleich die Papayabäume versorgt. Regenwasser wird in großen Behältern gesammelt, sonstiges Süßwasser gibt es nicht, das Wasser ist zwar ausreichend da, aber trotzdem eine kostbare Ressource die nicht unnötig verschwendet wird. Auf der Insel wachsen außer einer Menge Kokosbäumen noch Mahagonibäume, einige Bananenstauden, und verschiedene Blumensträucher. Der Sand ist überwiegend weiß und ergibt einen wunderschönen Kontrast zum türkisblauen, glasklaren Wasser, das uns immer wieder ein herrliches Farbenspiel, je nach einfallender Sonne beschert. In unmittelbarer Nähe unseres Schiffes tummeln sich jeden Tag Wale im Wasser. Wir beobachte sie, wie sie immer wieder hochkommen, ausblasen und wieder untertauchen. Beim Schnorcheln hören wir wie die Walmutter (ein tiefer Ton) mit ihrem Baby (ein hoher Ton) kommuniziert. Es ist schon sehr faszinierend diese riesigen beindruckenden großen Tiere so hautnah erleben zu können. Wir schnorcheln außerhalb des Riffes im ca. 6-10mtr. tiefem Wasser entlang des Riffes. Der gesamte Boden besteht aus hartem Korallenstein. Also Ankern wäre hier unmöglich. Zum Riff hin steigt der Meeresboden an und wird immer wieder durch Schluchten die ins Riff münden unterbrochen, nur 20mtr. hinter dem Schiff fällt der Meeresgrund steil ab, da ist das Wasser dann gleich wieder ca. 1000mtr. Tief. Wir lernen viel von Bob, er ist der Erste der uns die Nutzung der Kokosnüsse wirklich erklärt. Es gibt 3 Reifestadien der Frucht die jeweils unterschiedliche Verwendungszwecke hat. Jede Kokosnuss hat eine ca. 3cm dicke sehr faserige Außenhülle die sich je nach Reifestadium unterschiedlich färbt. Zuerst grüngelb gefärbt noch am Baum hängend, hier ist das Fruchtfleisch noch weich und nur ca. 0,5cm dick, die klare Flüssigkeit im inneren der Nuß ist noch sehr frisch im Geschmack und beträgt noch viel Volumen, daher wird dieses Reifestadium zum Trinken  benutzt. Später wenn die Außenhülle schon braun und etwas trocken geworden ist, bildet die Nuß das ca. 1,5cm dicke weiße nun feste Fruchtfleisch und die Flüssigkeit wurde bereits mehr verbraucht. Aus dieser Nuß wird das Kopra und Kokosmilch gewonnen. Das dritte Reifestadium ist erreicht, wenn die Nuß einen Sprössling bildet, dann ist all die Flüssigkeit im Inneren aufgebraucht und wurde durch ein weiches flauschiges Innenfleisch ersetzt, das weiße Innere ist in diesem Stadium nicht mehr genießbar. Jedoch das weiche neue Innenfleisch wird mit Mehl, Ei etwas Zucker vermischt und in Öl ausgebacken, schmeckt sehr lecker, wir konnten es testen. Die großen Kokosblätter werden zu Körben geflochten, oder schichtweise zum Dachdecken verwendet. Mit der trockenen Außenhülle der Nuß wird Feuer gemacht, also alles was der Kokosbaum hergibt wird verwertet. „Toupa“ die Frau von Bob zeigt uns wie das Fruchtfleisch aus der Nuß geraspelt wird, dazu setzt sie sich auf einen speziellen Schemel der mit einer Art Schaber in vorderen Bereich versehen ist. Mit diesem schabt sie das weiche Fleisch aus der geöffneten Nuß. Die uns bekannten Kokosflocken entstehen, diese werden ausgedrückt, die weißliche Kokosmilch wird so gewonnen. Die Kokosflocken werden getrocknet oder gleich noch im feuchten Zustand zum Kochen verwendet.

Wir machten eine Inselumrundung, jedoch dauerte das nicht lange, denn in 1 Stunde ist man rum. Auf Palmerston führen die Menschen ein recht beschauliches Leben. Die Menschen werden mit allen Gütern versorgt durch Frachtschiffe die nur ca. 3 mal in Jahr kommen. Alle Waren werden vorgeordert, auch werden oft Yachten die Palmerston von Rarotonga aus anlaufen dazu benutzt die benötigten Dinge oder auch Personen mit zunehmen, da die Insel über keinen Flughafen verfügt. Wir verbringen 9 Tage auf der Insel zum einen war es absolut wunderschön auf und rund um die Insel, zum Anderen mussten wir auf Wind warten, aber gemeinsam mit unseren Freunden von der SY Bonnie af Stockholm, Helen und Tommy verbrachten wir eine wunderbare Zeit auf Palmerston Island die wir auf keinen Fall missen möchten.