stürmische Überfahrt nach Fiji

Ruhe vor dem Sturm

Am Sonntag den 27.05.18 laufen wir aus vom sicheren Hafen Marsden Cove NZ in Richtung Fiji. Der Wetterbericht sagt SW Wind mit bis zu 30kn (ca. 54km/h) für die nächsten Tage voraus, also gute Voraussetzungen um zu starten, wir haben einen NE Kurs angelegt, das heißt der Wind schiebt uns von hinten an. Die ersten 3 Tage kommen wir gut voran, der Wind pulsiert sehr stark, er wechselt die Richtung im Minutentakt immer in einem Bereich von 40 Grad, sowie in Stärke von 15-30kn ist alles drin. Das bedeutet Ausreffen, Einreffen und segeln wird echt zur Arbeit. Immer wieder haben wir Squalls abzuwettern, Sonne, Wolken und Regen wechseln ständig. 4 bis 5 Tag aus See und der Wind verabschiedet sich, also Motor an, wir hoffen auf Wind, dersich zwar immer wieder kurz einstellt aber nicht konstant bleibt, so spielen wir das Spiel, Motor an, Segel runter, Motor aus, Segel rauf. Am 6. Tag kommt wieder Wind auf, wir freuen uns endlich wieder segeln zu können, doch die Freude währt nicht lange, denn nun steigt der Wind rasant auf 35kn wechselt zudem auch noch die Richtung und dreht auf ENE, somit haben wir den Wind auf die Nase und wir segeln am Wind mit dementsprechender Schräglage. Jede Bewegung an Board wird zur akrobatischen Übung, das Kochen erfordert 5 Hände, die man aber nicht zur Verfügung hat, somit wandert so manches nicht in den Kochtopf sondern am Boden. Wir haben nur noch ein kleines Segeltuch von unserer Fock gehiesst, und rauschen durch die nun wilde, rauhe See.  Das Wetter wird immer schlechter, es schüttet wie verrückt, die Wellen türmen sich auf und krachen mit voller Wucht gegen die Boardwand und schnalzen regelrecht über unser Cockpit hinweg, instinktiv ducken wir uns, doch wir sind gut geschützt, da wir unser Verdeckt zugemacht haben, so können die Wassermassen uns nichts ausmachen, das Wasser fließt sofort wieder aus dem Cockpit ab. Wir erhalten einen Funkspruch von unseren Freunden von der SY Bonnie of Stockholm die ebenfalls am Weg nach Fiji sind. Sie warnen uns vor einer Fischerleine die irgendwo auf unseren weiteren Weg gespannt sein soll. Ich trage die Koordinaten in unser Navigationssystem ein, und wie soll es auch anders sein, halten wir mit diesem Kurs genau darauf zu. Es ist dunkle, schwarze Nacht und bei diesem Sauwetter und hohen Wellengang die Sicht gleich Null. Trotzdem versuchen wir das Fischernetz frühzeitig erkennen zu können, um nicht voll da hineinzufahren. Ich habe gerade Freiwache und Hannes hält Wache, ich versuche etwas zu schlafen, als mir Hannes plötzlich ruft. Ich springe raus, da vor uns im Wasser tanzen tatsächlich 2 voneinander getrennte Lichter herum, schwer auszumachen, wir verändern unseren Kurs um den Fischtrawler mitsamt seinem riesigen Schleppnetz großräumig zu umgehen. Wir sind dementsprechend angespannt, da tritt ein ungewohntes Geräusch auf, wir leuchten mit der Taschenlampe alles an Deck ab, können aber nichts Ungewöhnliches finden. Bange Momente, das Geräusch muß doch von irgendwoher kommen, möglicherweise haben wir uns doch was von dem Fischernetz eingefahren, wir horchen, checken die  Fahrtgeschwindigkeit unseren Kurs doch alles ist ok. Wir warnen ein Segelboot das nur 4sm von uns entfernt unterwegs ist, dass es wenn es seinen Kurs nicht verändert, mitten in das Schleppnetz fährt, wir können das an unserem AIS erkennen, der Neuseeländische Skipper ist sehr dankbar für den Hinweis und schließt sich uns an um diesem gefährlichen schwimmenden Hindernis auszuweichen. Immer wieder Funken wir uns zusammen, bei diesem Sturm der uns eine ganze Nacht und einen Tag quält ist es gut sich mit anderen austauschen zu können und zu wissen dass jemand in der Nähe ist, auch wenn keiner wirklich helfen kann. Am Morgen schwächt sich der Wind ein wenig ab, wir kontrollieren nochmals alles an Deck und entdecken dabei die Ursache für das nächtliche ungewohnte Geräusch. Die Rolle der Fockschott hat bei dem Sturm Schaden erlitten, sie hat sich aus der Schienenverankerung gelöst, wir überlegen wie wir dieses Problem lösen können und finden in unserem Ersatzteilfundus doch glatt eine passende Rolle. Die montieren wir alles ist wieder ok.

Sonnenuntergang nach einem anstrengendem Tag.

Über den weiteren Tagesverlauf bei einsetzender Dämmerung ist endlich das elende Wetter vorbei, wir können einen herrlichen Sonnenuntergang beobachten und aufatmen. Wir nehmen Kurs auf Richtung Nord-Minerva Riff, wo wir einen Zwischenstopp machen wollen. Dieses Saumriff ist noch im entstehen und hebt sich zur Zeit nur bei Niedrigwasser aus dem Meer empor, bei Hochwasser ist die elliptische Form des Riffes nicht zu erkennen. Es hat einen breiten Pass, die Riffeinfahrt ist deshalb nicht wirklich schwierig. Frühmorgens fahren wir in die Riffpassage und um 10.00 Uhr am Samstag 2.06.18 fällt der Anker mitten im Pazifik im Nirgendwo. Unsere schweizer Freunde von SY She San sind auch da und laden uns gleich auf einen Kaffee ein, herrlich endlich Ruhe – Kaffee genießen und sich austauschen. Wir nützen den restlichen Tag noch um das Rigg des Schiffes zu kontrollieren, ich backe noch Brot für die Weiterfahrt, wir füllen Diesel nach um wieder Startklar zu sein.

Minerva Riff

Dann wird wieder das Wetter geprüft, es soll eine neuerliche Schlechtwetterfront auf uns zukommen, mit Windspitzen von 45kn, also auch im Minerva Riff am Ankerplatz keine gute Alternative zu verweilen, da keinerlei Schutz vom Wind geboten ist. Nur die Wellen können sich nicht so hoch aufbauen, da der Riffsaum schützt. Laut Wetterbericht bleiben uns 3 Tage bis zur Schlechtwetterfront, diese verbleibenden Tage wollen wir nutzen um vor dem Unwetter nach Fiji weiter zu segeln. Also brechen wir um 15.00 Uhr Montag 04.06.18  wieder auf zur nächsten Etappe unserem Ziel entgegen. Es liegen weitere 430sm vor uns, wir haben wenig Wind, wir können abwechselnd Segeln, dann wieder Motor an usw. das Motor an aus Spiel geht von neuem los. Der Himmel ist sehr bewölkt und wieder quälen uns Squalls und es schüttet wie aus Schaffeln, das Boot wird ordentlich gewaschen. Das geht 3 Tage so dahin, kein Wind, nur ein leises Lüftchen das wir zum Segeln nützen. Wenigstens wagt sich dann endlich die Sonne raus und wärmt uns, wir haben mittlerweile von Winterkleidung auf Bikini gewechselt, da die Lufttemperatur sowie die erheblich gestiegen ist. Wir dürfen wieder schwitzen anstatt uns einen runter zu frieren.

spiegelglatte See

Der letzte Segeltag bricht an, absolute Windstille, die See ist  ruhig, keine Welle, tatsächlich spiegeln sich die Wolken im Wasser, unglaublich wir fühlen uns als ob wir im See Motoren, nicht irgendwo mitten im Pazifik. Wir verbringen den Tag mit Lesen, ich versuche mein Anglerglück welches wieder einmal keinen Fisch bringt. So bricht der Abend an, die Nacht begrüßt uns mit einem klaren, wunderschönen Sternenhimmel, doch der schein trügt, denn das Barometer, ist in den letzten Stunden doch um 3 Bar gefallen, also sind wir etwas nervös, möglicherweise kommt doch noch schlechtes Wetter auf, obwohl das vor Tagen vorhergesagte Tief abgesagt wurde. Ich halte meine erste Wache, nichts rührt sich, ich kann mein Buch lesen schaue alle viertel Stunde nach ob alles rund um mich ok ist, und vertiefe mich wieder ins das Buch. Die Nacht ist weiterhin ruhig, kein Wind, nur 5 kn aus E, wir haben unsere 65m² Genua voll ausgerollt, diese bringt uns zusätzlich zum Motor ein wenig mehr Speed, wir wollen endlich ankommen. Um 21.45 Uhr übernimmt Hannes seine Wache und ich krieche in die Koje um etwas zu schlafen, übergebe ihm das Schiff noch mit den Worten alles ruhig, keine Wolke trübt den Himmel, nur Sterne, weiterhin kein Wind, er überzeugt sich auch noch davon und ruht sich auch etwas aus, liest etwas. Ich bin gerade am Einschlafen als plötzlich unser Schiff von der Backboardseite auf die Steuerboardseite wechselt, da stimmt doch was nicht, ich springe raus, Hannes hüpft auf. Der Wind hat komplett gedreht und weht mit 25kn kommt aus der entgegengesetzten Richtung, blitzschnell werfe ich die Schoten der Genua los, Hannes kurbelt wie verrückt die Genua rein, das ganze dauert nicht länger als  5 Minuten, in diesem kurzen Augenblick, nicht mehr als ein Wimpernschlag bläst uns der Wind mit 45-50kn (80-90km/h) um die Ohren. Die ganze Nacht tobt der Wind, wir sind froh, dass wir den Wind diesmal von hinten haben, wir fahren mit nur 1m² Fock unter Segeln trotzdem noch 5kn. Es sind in unmittelbarer Nähe noch 6 weitere Segelboote die wie wir hören sich zum Teil im Sturm treiben lassen, immer wieder prüfen wir gegenseitig unsere Schiffspositionen um uns nicht gegenseitig in die Quere zu kommen, an Schlaf ist nicht zu denken, die ganze Nacht starren wir in die aufgewühlte See, Ausschau nach Lichtern um rechtzeitig reagieren zu können. In den frühen Morgenstunden nimmt der Wind ganz langsam etwas ab, wir segeln mit dem ersten Tageslicht in die Bucht von Suva Suva auf der Insel Vanua Levu / Fiji. Nach 4 Tagen endlich an unserem Ziel angelangt, hängen unsere Blue Lilly an die Boje in der Waitui Kelekele Marina, und warten auf die Behörden um einzuklarieren. Wir sind 1590sm gefahren, ein weiter Weg, unsere Lilly hat uns wieder einmal sicher von A nach B gebracht.