Wie aus 520sm plötzlich 898sm werden!

Wir gehen am 18.09.18 Anker auf in Liapari Island (Solomons) mit Ziel 520sm nach New Ireland in die Stadt Kavieng (Papua New Guinea) zu segeln, wozu wir normaler weise ca. 4 Tage brauchen. Frühmorgens liften wir den Anker, segeln zwar mit wenig Wind die Insel Vella Lavella entlang bis wir am nächsten Morgen an der Bouganville Strait angelangt sind. Soweit so gut, wir segeln durch die Passage sehr langsam, da immer noch wenig Wind vorhanden ist. Wettervorhersage war schwachwindig aber fahrbar. Am Ende der nur 7sm langen Passage die sich zwischen Bouganville Island und Couiseul Island befindet, geht uns der Wind flöten und wir werfen den Motor kurzzeitig an, da wir denken, dass wir uns in der Inselabdeckung befinden, doch wie es sich herausstellt, ist auch nach der Inselabdeckung kein Wind vorhanden. Also Motor aus, wir warten auf Wind. Den ganzen Tag über kein Wind, aber brütend heiß, dass wir nicht wissen wo wir uns am Schiff verkriechen sollen um die Hitze zu überstehen, kein Lüftchen rührt sich. Dann um 21.00 Uhr abends kommt endlich eine leichte Brise auf, wir segeln wieder. Ich hab meine Nachtwache, liege gerade gemütlich im Cockpit als plötzlich ein Vogel in den Windgenerator fliegt und sich stark verletzt. Ich bekam einen riesen Schreck, und schreie, Hannes hüpft an Deck um mir zu helfen. Gemeinsam befördern wir den riesen Vogel der stark blutet über Board, dann müssen wir das Cockpit von den blutspritzern säubern. Dann kehrt wieder Ruhe ein, der Wind hat in der Zwischenzeit von ESE auf ENE gedreht, unser Ziel liegt in Richtung WNW. Am 3. Tag wieder den ganzen Tag brütende Hitze und Flaute, erst abends bekommen wir etwas Wind aber aus NW-Richtung, wir segeln zwar aber nicht in unsere Wunschrichtung. Am 4. Tag selbes Spiel, tagsüber absolute Flaute abends beginnen täglich Gewitter und Squalls mit ständig drehender Richtung, wenn dann mal ordentlich Wind aufkommt, dann immer aus der Richtung wo unser Ziel liegt, es ist zum Verrücktwerden, der Wetterbericht sagt nun schon tagelang leichten Wind aus SSE voraus nur bei uns spielt sich ein völlig anderes Wettergeschehen ab. So quälen wir uns tagelang an der E-Küste von Bouganville entlang, wir nützen die Flaute um im aufgeheitzen Meerwasser 30°C ein wenig zu Schwimmen, einmal besucht uns wie aus dem nichts eine Schildkröte mit der wir baden, sonst sichten wir kein Lebewesen und kein anderes Schiff, lost im Pazifik. Dann endlich kommt stetig steigender Wind auf, wie solls auch anders sein aus W, wir segeln hart am Wind, ein Squall jagt den anderen, wir kommen nicht zur Ruhe, an Schlaf ist nicht zu denken, ausreffen, einreffen, Segelwechsel, Kurswechsel. Am 7. Tag haben wir dann grausiges Wetter, Regenschauer, Wind mit 35kn aus NW segeln mit Fock und Groß im 3. Reff nach NE also in die entgegengesetzte Richtung. Die Wellen sind kurz und hart, unsere Blue Lilly macht richtige Bocksprünge. Tag 8 immer noch ein Squall greift in den Anderen mit 20-35kn im ständigen Wechsel. Wir halten nun auf Nuguria Island zu das im NE von Papua liegt, wir wollen uns dort einem Ankerplatz suchen, doch als wir auf Höhe der Riffeinfahrt sind dreht der Wind endlich auf SW wir können einen Bogen fahren und segeln endlich mal halbwegs in die richtige Richtung. Kaum sind wir nördlich also oberhalb der kleinen Insel dreht der Wind wieder auf West und das ganze Dilemma geht von Vorne los. Es bleibt uns nichts anderes übrig als dieses beschissene Wetter auszusitzen, wir versuchen zu segeln wo es geht, wenn der Wind wieder dauernd nur dreht und mit 35kn daherkommt, das natürlich vorzugsweise in der Nacht, Segel runter und warten, dieses Spiel spielen wir 3 Tage lang, wobei wir oberhalb von Nuguria Island auf und ab fahren sozusagen aufkreuzen was uns aber keinen Meter weiter bringt. Irgendwie will uns da jemand nicht an unser Ziel kommen lassen, wir sind schon müde und erschöpft denn die notwendigen Erholungsphasen sind zu kurz. Am 10. Tag setzt endlich der seit Tagen prognostizierte S-Wind ein, wir können endlich aufatmen und segeln mal zur Abwechslung unserem Ziel entgegen. Am 11. Tag befinden wir uns unserem Ziel dann doch schon näher, nur noch 50sm bis Kavieng. Doch zum Abschluß bildet sich vor uns nochmals ein Megasquall, eine richtig schwarze Wand braut sich zusammen, wir sind vorbereitet, Segel sind eingeholt, wir warten ab was passiert, zuerst kein Wind, dann braust das Unwetter heran, zuerst sehen wir die See, sie wird aufgepeitscht, das Wasser wird vor dem Wind hergetrieben, direkt auf uns zu. Der Wind steigt auf 37kn natürlich wieder aus NW, wir befürchten schon, dass diese Wetter wieder länger anhält, doch wir haben Glück und es ist ein Squall der sich nach getaner Arbeit wieder verabschiedet. Doch die ungute Kreuzwelle die sich während des Squalls gebildet hat bleibt uns noch für 4 weitere Stunden, wir setzen die Segel wieder und dümpeln da der Wind nun wieder nur 5-7kn aus SSW hat unserm Ziel entgegen. Am 12. Tag um 07.30 können wir nach 898 geloggten sm endlich den Anker vor der Stadt Kavieng fallen lassen. Wir können es kaum fassen, wir haben es doch geschafft. Wie wir später von anderen Seglern erfahren, haben wir das miserable Wetter eines Cyclonausläufers zu verdanken.