Februar

IMG_0808komp21.02.15 Motortest
Endlich können wir den komplett renovierten und völlig überholten Motor auch im Wasser auf Herz und Nieren testen. Wir haben einen Tag mit geradezu Nullwind, ideal für unser Vorhaben. Wir starten zum Motortest um 9.00 Uhr früh, ablegen in Monfalcone. Hannes ist sichtlich nervös, da er schon seit 8 Monaten nicht mehr mit dem Schiff gefahren ist und alle Manöver passen sollten. Ich bin natürlich auch sehr aufgeregt und voller Erwartung, dass alles glatt geht. Sofort springt der Motor an und auch die Motorkühlung läuft auf anhieb super. Wir fahren ganz langsam aus der Box und raus in den Kanal hinein, vorbei bei den Fischern die uns zuwinken. Ich bin am Steuer und es  ist ein unbeschreiblich erhebendes Gefühl nach so langer Zeit endlich wieder mit unserem Schiff fahren zu können. Der Motor läuft immer noch perfekt. Zum Dank spenden wir Poseidon einen Schluck besten Rum, wir bekommen natürlich auch ein Stamperl zur Feier des Tages. Wir lassen den Motor zuerst warm laufen mit niedriger Drehzahl natürlich unter argwöhnischer Beobachtung unsererseits, jeder Ton wird überwacht.
IMG_0809kompWir sind sehr sensibilisiert und würden jeden Ton der nicht passt sofort raushören, aber nichts. Wir fahren vorbei beim Schloß Duino wo wir nun die Drehzahl erhöhen, dann wenden wir uns Sistiana zu, wo wir die neu eröffnete Hotelanlage mit eigenem kleinem Hafen aus der Seesicht begutachten können, weiter geht’s Richtung Miramar und der Motor schnurrt immer noch.
IMG_0819kompDort angekommen drehen wir wieder um und gehen rauf auf 3000 Touren, wir brausen dahin mit 6,2 Knoten unter Motor! Nach ca. 4 Stunden Motortest kehren wir wieder zu unserem Liegeplatz zurück.
IMG_0824kompÜberglücklich und hochzufrieden gönnen wir uns ein kleines Bier, ein hoch auf unseren voll funktionierenden Motor und ein großes Lob an unseren Freund, der mit viel Enthusiasmus und penibler Genauigkeit den Motor zu neuem Leben erweckt hat.

 

 

 

17.02.15 Ende Jänner bzw. Anfang Februar war in Monfalcone die Bora angesagt, 2 volle Tage wütete diese in der Marina, unser Schiff fest verzurrt. Trotzdem rüttelte der Wind sehr stark am Schiff und beim Essen rutschten unsere Teller beinahe vom Tisch. Die gemessenen Windspitzen betrugen 150 km/h. Einige Segel von benachbarten Schiffen gingen dabei kaputt. Der Wind löst die Umspannung langsam auf, dann wird das Segel frei und es reicht schon wenn ein kleiner Zipfel rauskommt, dann hat er leichtes Spiel, er arbeitet das gesamte Segel auf und zerreißt es in kürzester Zeit in lauter kleine Fetzen. Hier ein Video von der Bora, aufgenommen mit meinem Handy, hier bekommt man eine kleine Vorstellung davon was da abgegangen ist. Ich konnte mich kaum beim Filmen am Steg halten, musste mich halten um nicht ins Wasser geblasen zu werden.

 

103854H02.02.2015 Endlich ist es soweit, wir (und unser Schiff) sind bereit endlich wieder in das Element zurückzukehren wo sich die „Blue Lilly“ am wohlsten fühlt. Heute kommt der Transporter der unser Schiff unter den Kran stellt. Dann wird es vorsichtig ins Kranbecken gehievt. Dementsprechend nervös sind wir, haben wir doch so viele Neuerungen gemacht. Alle Seeventile neu, werden die neuen Durchlässe dicht sein?! Wird der Motor nach der Generalüberholung einwandfrei funktionieren? Alles Faktoren die wir erst nach der Wasserung sehen werden ob wir alles korrekt gemacht haben. Wir haben den Montag gewählt, da ein ruhiges Wetter vorhergesagt war. Kein Wind und sonnig, sollte doch am Dienstag schon Bora einsetzen und am Mittwoch auf Orkanstärke anwachsen.

124813HVormittag ging es los, der Transporter holt die Lilly von ihrem Platz wo sie 6 Monate gestanden hat ab. Im Schritttempo geht es unter den Kran. Dann werden mit viel Fingerspitzengefühl die Gurten angelegt. Hannes und ich helfen wo wir können damit alles klappt. Der Kranfahrer geht sehr sensibel mit seinem Gerät um und wir können auf ihn vertrauen, dass unser Schiff heil wieder ins Wasser kommt. Die „Lilly“ taucht vorsichtig zuerst mit den beiden Kielen ins Wasser ein, für uns ein sehr erhebender Moment, haben wir doch so lange auf dieses Ziel hingearbeitet. Hannes stehen die Tränen in den Augen, mit Mühe kann er seine Gefühle im Zaum halten, mir geht es ähnlich, nur dass ich sozusagen die Starke spiele, möchte ich doch Hannes mit meiner Angst und Nervosität nicht auch noch belasten, so stärke ich ihm den Rücken.131213H

Endlich ist es geschafft, unser Schiff schwimmt wieder, super! Wir lassen die Lilly noch im Kranbecken an den Gurten zur Sicherheit hängen, wir kontrollieren mehrfach alle Borddurchlässe auf Dichtheit. Alles ok. Dann der Motortest, er springt sofort an, die Kühlung läuft. Alles klar um das Kranbecken zu verlassen, vorsichtig werden die Sicherungsgurte weggehoben. Wir starten den Motor erneut, auslaufen in die Anlegebox. Alles scheint in Ordnung, nach einigen Metern, fällt plötzlich die Motorkühlung aus.  Wir versuchen das Problem zu beheben, aber keine Chance, die Kühlung will einfach nicht, wir gehen am Schwimmsteg längsseits. Nochmals versuchen wird das Problem zu lösen. Es bleibt uns schlußendlich nichts anderes übrig als uns vom Marinero mit dem Motorboot in die Box schieben zu lassen. Dort vertauen wir unser Schiff um dann genügend Zeit für die Fehlersuche zu haben. Ein kleiner Fehler mit großer Wirkung, die Impellerpumpe läuft in einem Gußtopf, und wird darin mit einem Stift gehalten. Und genau dieser Stift hatte sich gelöst und hatte sich bei jeder Umdrehung des Impellers mitgedreht, daher konnte der Impeller kein Wasser ansaugen. Völlig geschafft von den Aufregungen des Tages beenden wir diesen bei einer guten Pizza.

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